3. Kapitel – Vorstadtkatzen

Als Leeja und Gaaja wieder zu Hause angekommen waren, stand die Sonne schon hoch am Himmel. Es war ein warmer Sommertag und auf dem Dachboden der Villa war es zunehmend stickiger geworden. Jetzt waren die beiden Katzen doch froh, dass die Versammlung vorbei war und sie den Rest des Tages genießen konnten. Wie so oft an heißen Tagen, führte sie ihr erster Kontrollgang in die Küche, wo die Dosenöffner wie gewohnt eine große Schüssel mit frischem, kaltem Wasser bereitgestellt hatten. Gierig stillten sie ihren Durst und genossen die Kühle des Raumes. Die Rollos waren heruntergelassen und hielten am Tage die Sonne draußen, des Nachts das Licht. Offensichtlich brauchten Dosenöffner Dunkelheit um zu schlafen. Gaaja und ihren schnurrenden Freunden war das ziemlich egal. Sie konnten nachts fast besser sehen als am Tage und immer und überall schlafen. Da die Vorstadt des Nachts aber leer von jeglichen Dosenöffnern war, bevorzugten sie diese Stunden für ihre heimlichen Treffen.

Als der brennende Durst gestillt und sie sich etwas erfrischt hatten, hielt sie aber nichts mehr in diesen sicheren vier Wänden und bald verschwanden sie wieder in den Garten. Gaaja suchte sich ein schattiges Plätzchen unter einem der Obstbäume am äußeren Rand ihres eigenen kleinen Territoriums. Sie streckte sich, wälzte sich schnurrend im kühlen Gras auf den Rücken und blinzelte ein paarmal ins Sonnenlicht, dass sich durch die Baumwipfel brach. Ein Schatten nahm ihr kurz die Sicht – Leeja, die von Ast zu Ast kletterte. Sie liebte ihre Klettertouren, die meist damit endeten, dass sie es sich in irgendeiner Astgabel bequem machte und dort eindöste. Vielleicht auch eine Art Verteidigung, denn da oben war sie stets sicher. Von oben drohte ihr selten Gefahr und sie hatte stets den Überblick über das Gelände. Gaaja kannte niemanden, der sich so flink in den Ästen bewegte wie ihre Freundin. So eine Gabe war jetzt vielleicht wichtiger denn je. Vielleicht könnte man das schon bald gebrauchen, dachte Gaaja schläfrig, ehe sie sich wieder auf die Seite rollte und die Augen schloss.

 

***

 

Die Abenddämmerung war hereingebrochen und der Garten der alten Villa füllte sich langsam mit Leben. Mikesh und Brutus waren die Ersten gewesen. Nachdem sie Dschingis begrüßt hatten, machten sie es sich zunächst im Vorgarten Bequem. Doch bald war Mikesh auf den Dachboden gegangen und schließlich über ein großes Loch im morschen Dachgewölbe aufs Hausdach gelangt. Auf dem alten Schornstein thronend, behielt er nun im Auge, wer das Grundstück betrat. `Vor Mitternacht werden wir wohl nicht anfangen können´, dachte er bei sich, als er jäh aus seinen Gedanken gerissen wurde. „Hey, Mike“ Cloud war es, der seinen Weg zu Mikesh als erster gefunden hatte. Der Jungkater balancierte auf den losen Dachziegeln auf ihn zu. Dicht gefolgt von seinem Bruder Filou. „Guten Abend ihr Zwei“ gab Mikesh belustigt zurück. „Melden uns zum Dienst!“ Nachdem Filou einen sicheren Tritt gefunden hatte, bezog er aufrecht und mit stolz geschwellter Brust vor dem Schornstein Stellung.

„Wir werden schnell lernen und die Stärksten unter den Stärksten werden“ maunzte er dann im Brustton der Überzeugung. „So? werdet ihr das?“ schnurrte Mikesh belustigt. „Na, dann kommt doch mal mit und zeigt mir, was ihr so könnt.“ Elegant ließ der getigerte Kater sich vom Schornstein gleiten und fand sofort sicheren Tritt auf den teilweise losen Dachziegeln. Mit wenigen kurzen Sprüngen war er an der Regenrinne angelangt, die nur noch halb am Dach hing und deren Ende kurz über dem Boden der Veranda endete. Geschickt sprang Mikesh auf die Rinne, rutsche ein kurzes Stück und landete schließlich wie völlig selbstverständlich auf der Balustrade der Veranda, welche die gesamte Villa umgab. „Wo bleibt ihr denn?“ rief Mikesh zu den beiden Katern hinauf, die offensichtlich Mühe hatten zu folgen. Cloud versuchte als erster sein Glück. Mit eher unsicheren Schritten tapste er über das wackelige Dach. Leider trat er dabei auf einen besonders lockeren Dachziegel, der sich bei Berührung komplett vom Untergrund löste und mit dem verdatterten Cloud darauf das Dach hinunterschoss. Der Ziegel blieb an der Regenrinne hängen und Cloud konnte sich grade so mit seinen Vorderbeinen festhalten. Mühsam zog er den Rest seines Körpers wieder aufs Dach hinauf. Als er wieder festen Stand hatte, sah er sich nach seinem Bruder um. Filou kam langsam und vorsichtig, aber zumindest unfallfrei, bei seinem Bruder an. Sofort wollte er weiter zur Regenrinne. Enthusiastisch, ja fast schon Euphorisch, schob er sich an seinen Bruder vorbei, um ja als erster diesen Test zu bestehen. Sein älterer Bruder lies das nicht auf sich sitzen, schließlich wollte er dem Jüngeren in nichts nachstehen. Deshalb versuchte er ihm den Weg versperren. Dummerweise bot der Vorsprung, auf dem sie sich nun befanden, nicht allzu viel Platz und so drängelten sie sich gemeinsam auf die Regenrinne, bis sie plötzlich wegrutschten und den Boden unter den Füßen verloren. Mit aufgerissenen Augen und wildem Miauen rutschten sie unkontrolliert die Regenrinne runter, flogen in hohem Bogen ins Gras, wo sie sich einmal überschlugen, und dann benommen liegen blieben.

„Ihr seid mir ja schöne Helden“ Schnurrte Felix amüsiert, zu dessen Füßen die beiden Jüngeren gelandet waren. Hinter ihm erklang schallendes Gelächter. Buster wälzte sich lachend im Gras und schien sich kaum beruhigen zu können.

Verlegen rappelten sich die Beiden auf. „Das war alles deine Schuld“ faucht Filou seinen großen Bruder an. „Du bist so tollpatschig!“ „Dafür bin ich eindeutig der Stärkere – soll ich es dir zeigen?“ Fauchte Cloud zurück, machte einen Buckel und zeigte seine Krallen. „Schon gut, schon gut ihr zwei“ ging Mikesh dazwischen, der nur mit Mühe seine strenge Mimik aufrechterhalten konnte. Seine Augen funkelten amüsiert. „Jeder hat so seine Stärken und Schwächen und wir können hier heute jeden Kater gebrauchen.“

„Und jede Katze“ Gaaja und Leeja erschienen wie aus dem Nichts hinter Buster und Felix. „Das hat er doch sagen wollen, oder Leeja?“ „Hm… ich glaube schon, dass er das meinte, oder Mikesh?“ „Ähem, natürlich, das wäre jetzt mein nächster Satz gewesen“ räusperte sich Mikesh. „Herzlich Willkommen, die Damen!“ „Gaaja, du… bist ja auch da…“ stammelte Filou etwas schüchtern. „Sicher, und warum auch nicht? Meine Kampfkünste könnten eine kleine Auffrischung gebrauchen…“ „Aber, das… das musst du doch nicht“ begehrte Filou auf und sprang an ihre Seite. „Ich kann dich doch beschützen.“

Die Umherstehenden sahen ihn überrascht an, bis Buster wieder lauthals losprustete. Gaaja warf ihm einen missbilligenden Blick zu, ehe sie sich wieder Filou widmete und ihm ihr süßestes Lächeln schenkte. „Sicher, Hübscher“ schnurrte sie dem jungen grauweißen Kater zu. „Aber du kannst ja schließlich nicht immer bei mir sein“ – um ihre Worte zu unterstreichen, schlich sie unter Filous Kinn entlang und ließ die Spitze Ihres hoch erhobenen Schwanzes sein Kinn kitzeln. Leeja lief ihr kichernd nach, als sie Richtung Villa schlich, den hingerissenen Filou hinter sich lassend. „Wenn Du dann fertig bist ihr hinterher zu schmachten…“ sprach ihn Buster an, die Lippen gekräuselt und ein belustigtes Funkeln in den Augen.

„Ich schmachte nicht“ empörte sich Filou nachdem Buster ihn aus der Starre herausgeholt hatte. „Kommt jetzt“ lachte Mikesh. „Mal sehen wer in der Zwischenzeit noch alles

eingetrudelt ist!“

 

***

 

Stolz betrachtete Mikesh die Katzenansammlung hinter dem Gebäude. Es waren mehr gekommen, als er gedacht hatte. Mit Charlie, Otis und Theos hatte er gerechnet. Besonders nach der Auseinandersetzung die sie mit Dschingis hatten. Natürlich würden sie es nicht auf sich sitzen lassen, als Hauskätzchen bezeichnet zu werden. Felix, Buster und Brutus gehörten Quasi zu seinen engsten Vertrauten. Obwohl Buster als Frauenheld verschrien war, als unberechenbar galt und nur das eigene Vergnügen im Sinn zu haben schien, konnte man sich im Ernstfall doch immer auf ihn verlassen.

Etwas überrascht war er dann aber, das Katzenpärchen Max und Minka zu sehen. Sie nahmen nur wenige Dinge im Leben ernst, aber diese Sache schien ihnen doch nicht so unwichtig zu sein. Luca zu sehen war auch keine Überraschung, doch seine Schwester Luna schien wild entschlossen ebenfalls neue Kampftechniken zu erlernen.

Aber vor allem freute er sich, die Katzenmutter Ami zu sehen. Maja hingegen vermisste er, aber er ging davon aus, dass sie zu Hause geblieben war, um sich um die Kleinen zu kümmern. Victoria fehlte ebenfalls, aber Cassandra hatte sich entschlossen Ami zu begleiten.

„Es freut mich dich zu sehen“ hatte Mikesh sie begrüßt. „Aber ich bin auch ein wenig überrascht. Ich dachte du würdest bei den Kleinen bleiben wollen.“ „Ich werde es mir nicht entgehen lassen meine eingerosteten Kampfkünste aufzufrischen. Wenn dieser Kerl glaubt, er könne hier einfach so mir nichts-dir nichts auftauchen und meinen großen und kleinen Babys etwas antun, dann hat er sich aber getäuscht“ hatte Ami schnaubend geantwortet. „Den werde ich auseinandernehmen…“ Grummelte sie noch, ehe sie zwischen den anderen Katzen verschwand.

„Freut mich, dass ihr gekommen seid“ begann Mikesh nun. „Zunächst werden wir feststellen, wie weit es um Eure bisherigen Kampfkünste steht. Dazu werdet ihr einer nach dem anderen gegen einen von uns kämpfen. Gegen mich, oder gegen Brutus oder gegen Dschingis. Ihr könnt Euch euren Gegner selbst wählen. Also, wer ist der Erste?“

„Ich mach’s!“ Cloud trat aus der Menge hervor, offenbar wild entschlossen seinen tollpatschigen Versuch vom Dach zu kommen, wieder wett zu machen. „Gut, wer soll dein Gegner sein?“ Fragte Mikesh den jungen Kater mit dem weißbraunen Fell. „Ich kämpfe gegen Brutus“ gab dieser zurück. Brutus war kräftig gebaut und kampferprobt. Da er ebenfalls ein festes Heim hatte, wie die meisten anderen Katzen, war sein Fell sehr gepflegt und nicht so struppig wie das von Dschingis. Auch hatte er keine bleibenden Narben oder Verletzungen. Auf seinem weißen Fell hatte er schwarze Flecken. Er trat hervor und baute sich vor Cloud auf. Die anderen Katzen verteilten sich in einem Kreis um die beiden Kater herum, die jetzt die Kampfstellung einnahmen.

„Also dann“ knurrte Brutus „Fang an!“. Cloud stürzte auf Brutus zu und zielte mit seinen Krallen auf sein Gesicht. Brutus wich geschickt aus und versetzte dem vorbeifliegenden Cloud einen kräftigen Schlag, sodass dieser einen ordentlichen Schub bekam, sich überschlug und auf dem Rücken landete. Alle Anwesenden dachten schon der Kampf sei gelaufen, doch als Brutus sich auf Cloud stürzen wollte, hatte dieser bereits seine Hinterläufe angezogen und hieb sie mit voller Wucht in Brutus‘ Bauch. Dieser wurde zurückgedrängt und tänzelte ein paar Schritte nach hinten. Beide Kater begannen sich lauernd zu umkreisen. Plötzlich schnellte Cloud vor und schaffte es sogar Brutus einen Kratzer an der Schulter zu verpassen. Dabei verlor er jedoch seinen sicheren Stand und Brutus, der bei dem Angriff nicht mal zusammengezuckt war, hub mit seiner Pranke nach Cloud. Dieser Angriff brachte den Jüngeren vollends aus dem Gleichgewicht. Er stolperte und wurde schließlich von Brutus zu Boden gedrückt, der auf seinen Rücken gesprungen war, und ihn nun mit den Vorderpfoten festhielt. Sein Kiefer klaffte bedrohlich über seinen Nacken. Da Cloud sich nicht mehr bewegen konnte, war der Kampf damit beendet. Nachdem er sich nicht mehr rührte, stieg Brutus von ihm herunter, und nahm seinen Platz in der Menge neben Mikesh wieder ein.

„Gut gemacht“ schnurrte dieser Cloud zu, der sich langsam aufrappelte. „Es gelingt nicht jedem Brutus einen Kratzer zu verpassen.“ „An deinem Gleichgewicht müssen wir noch arbeiten“ pflichtete Brutus ihm bei. Cloud nickte artig und gesellte sich wieder zu seinem Bruder Filou, in der Menge.

„Wer ist der Nächste?“ Fragte Mikesh dann in die Runde. Otis trat hervor. „Ich kämpfe gegen Dschingis“ miaute er laut und mit funkelnden Augen. Dschingis, der auf der anderen Seite neben Mikesh kauerte und gleichgültig in die Runde blickte, erhob sich langsam. Er gähnte, streckte sich einmal ausgiebig und ging dann mit einem gelangweilten Gesichtsausdruck in die Mitte. Seine gleichgültige Art ärgerte Otis und seine Nackenhaare stellten sich auf.

Während er mit wütend angelegten Ohren und gesträubten Fell seinen Gegner zu umkreisen begann, blieb dieser in der Mitte des Kreises untätig sitzen. Er fühlte sich stark provoziert. Irgendwann reichte es ihm und mit einem wütenden Fauchen stürzte er sich von hinten auf Dschingis. Dieser drehte sich geschickt zur Seite und ließ Otis ins leere springen. Provokant begann Dschingis sich die Pfote zu lecken, als wäre soeben nur ein Schmetterling an ihm vorbeigeflogen. Nachdem sich Otis aufgerappelt hatte, funkelte er seinen Kontrahenten wütend an.

„Er spielt mit ihm“ flüsterte Felix seinem Freund Buster zu. Sie hatten es sich auf einem kleinen Hügel aus aufgehäufter Erde bequem gemacht. Jetzt thronten sie über den Köpfen ihrer Freunde und hatten eine hervorragende Sicht auf das Geschehen.

„Natürlich tut er das“, gab Buster zurück. „Otis lässt sich viel zu leicht provozieren. Das hat man schon auf der Versammlung gesehen.“

Erneut versuchte Otis Dschingis anzugreifen, und erneut ging der Angriff ins Leere. Dies wiederholte sich einige Male, bis es Dschingis dann doch zu langweilig wurde, und er sich eine Anmerkung gestattete. „Du bist viel zu laut. Krieg deine Atmung in den Griff.“ Im ersten Moment war Otis überrascht, dass Dschingis ihm einen Tipp gab. Doch im nächsten Moment ärgerte es ihn auch. „Lass dich nicht von ihm provozieren“ mischte sich nun Mikesh ein. „Er macht sich deine Wut zu nutzen, weil Du dann unkonzentriert bist. Konzentriere dich und lege deine Wut in deine Krallen.“

Otis atmete tief durch und versuchte sich zu beruhigen. Langsam legte er sein Fell wieder an. Dann fixierte er Dschingis mit einem durchdringenden Blick und kam langsam auf ihn zu, anstatt ihn wie wild zu umkreisen. Plötzlich und unerwartet schlug Dschingis mit der Tatze nach Otis aus. Doch der bewies gute Reflexe und sprang zur Seite, sodass die Krallen ihn nur knapp verfehlten. Er selbst nutzte die Gelegenheit für einen Gegenangriff und sprang aus kurzer Distanz auf Dschingis zu. Dieser ließ sich auf den Rücken fallen und hob Otis mit Hilfe seiner Hinterbeine über sich hinweg, als wäre er ein Fliegengewicht. Otis landete mit der Schnauze voran im Dreck. Als er sich wieder aufrichtete saß Dschingis wieder da und putzte seine Pfote, als wäre nichts gewesen. Doch diesmal durchschaute der junge Kater seinen Gegner.

Er wusste genau, dass Dschingis jede seiner Bewegungen genau beobachtete. Langsam aber Widerwillig machte sich Bewunderung in ihm breit, für diesen Streuner. Ein leises schnurren entwich seiner Kehle und seine Augen blitzten auf. Überrascht stellte er fest, dass er gefallen an diesem Training fand.

Plötzlich sprang ein weiß-brauner Schatten aus der umherstehenden Menge an Katzen hervor und machte einen Satz auf Dschingis zu. Der war tatsächlich etwas überrascht und konnte sich grade so wegducken, indem er sich an den Boden presste. Theos landete neben Otis. „Netter versuch“ schnurrte Otis seinem Kumpel zu, der sich grade aufrappelte. „Du hältst Dich aber auch wacker“ gab Theos zurück.

Brutus wollte einschreiten, da nun zwei gegen einen kämpfen würde, doch Mikesh hielt ihn zurück. „Lass uns sehen, wie sie sich gemeinsam schlagen“ zischte er seinem Freund zu.

„So“, fing Dschingis an. „Ihr wollt es also zu zweit versuchen, hm? Na, dann wird die Sache vielleicht doch nicht so langweilig“ stichelte er.

Otis und Theos arbeiteten nun im Team zusammen und griffen abwechselnd an. Dschingis hatte gut damit zu tun den Angriffen auszuweichen oder sie zu parieren. Still im Kreise sitzen war nun nicht einmal mehr für ihn drin. Allerdings schafften es die beiden jungen Kater auch nicht, ihm einen Kratzer bei zu bringen. Als Dschingis merkte, dass er langsam außer Atem war, beschloss er dem Ganzen ein Ende zu setzen. Bei seinem nächsten Angriff schleuderte er Theos von sich, und kurz darauf Otis hinterher. Mit seinem ganzen Gewicht warf er sich auf die Beiden und hielt sie mit seinem Körper fest. Ehe die Beiden den Versuch wagen konnten sich zu befreien, ergriff Mikesh das Wort.

„Das genügt“ miaute er schließlich und Dschingis und die Kater gingen wieder auf ihre Plätze zurück. „Ihr habt euch gut geschlagen Jungs!“ Lobte Mikesh anerkennend. Otis und Theos hatten heute eine wichtige Lektion gelernt: Dass es sich leichter kämpft, wenn man sich nicht provozieren lässt. Sie respektierten nun die Stärke und Erfahrung des alten Dschingis.

„Tja, dann will ich meine Fans mal nicht warten lassen“ raunte Buster Felix zu und erhob sich von seinem Hügel. Mit aufgerichtetem Haupt und Schwanz bahnte er sich seinen Weg durch die anderen Katzen und rief Mikesh über die Schulter hinweg zu: „Komm, alter Knabe! Lass uns den Frischlingen mal zeigen, was ein richtiger Kampf ist!“ „Wen nennst Du hier alt?“ knurrte Mikesh belustigt und folgte ihm in den Kreis.

Was dann folgte war ein rasanter und mitreißender Kampf, unter gleich starken Katern. Immer wieder stürzten die beiden aufeinander zu, teilten Hiebe aus, wehrten welche ab, weichten einander aus und setzten zum Gegenangriff an. Sie kämpften mit eingezogenen Krallen, denn dies war ein Übungskampf und sie wollten einander nicht ernsthaft verletzten. „Was ist los mein Alter? Du bist ja schon ganz aus der Puste“ rief Buster, der selber am Hecheln war, Mikesh über das Jaulen der begeisterten Menge hinweg zu. „Guck dich mal an“ gab dieser zurück. „Du bist anscheinend auch ein wenig aus der Übung!“ Schließlich lösten sich beide Kater aus ihrer hab-acht-stellung und strichen sich ihr Fell glatt.

Hoch erhobenen Hauptes und Schwanzes suchte sich Buster wieder seinen Platz neben Felix, von den bewundernden Blicken der Katzendamen verfolgt. Mikesh blieb im Kreis stehen und räusperte sich. Als die größte Aufmerksamkeit wieder ihm galt, miaute er: „Es gibt ein paar Regeln für unsere Trainings. Ab sofort wird nur noch mit eingezogenen Krallen gekämpft. Wir wollen uns nicht verletzen. Da wir nicht wissen wann uns ein Angriff bevorsteht, können wir uns Verletzungen nicht erlauben! Die jüngeren Kater und Katzen können sich Brutus oder Dschingis als Mentor auswählen um von ihnen zu lernen. Die Älteren und Erfahreneren, die Ihre Kenntnisse nur noch einmal auffrischen und vertiefen müssen, schließen sich mir an. Das ganze Gelände kann als Trainingsort verwendet werden. Kampftrainings finden hier im Garten auf diesem plattgewälzten Stück Boden statt. Taktiktrainings im hohen Gras und Geschicklichkeitstraining in und auf dem Haus. Die, die sich mir anschließen, folgen mir bitte ins Haus. Alle anderen bleiben mit Dschingis und Brutus hier draußen.“

Es dauerte nicht lange, da hatten sich alle Katzen zusammengefunden. Buster, Felix, Charlie, Findus, Ami, Gaaja und Leeja folgten Mikesh ins Haus.

Otis, Theos, Max und Minka hatten sich Dschingis angeschlossen. Cassandra, Luca, Luna, Cloud und Filou fanden sich bei Brutus ein. Dschingis ließ die Katzen gemeinsam oder einzeln gegen ihn antreten. Gab hin und wieder kleine Hinweise und versuchte sie mit Provokation aus der Reserve zu locken. Das Training mit ihm war hart und auch wenn er keine Krallen benutzte – seine harten Hiebe verursachten dennoch großen Schmerz. Brutus Training dagegen war etwas ausgeglichener. Er hatte alle in Teams eingeteilt. Luca war schon etwas kampferprobter, daher wählte er ihn als seinen Partner und demonstrierte den Anderen erste Kampftechniken. Luna und Minka sollten die neu erlernten Techniken an einander ausprobieren. Ein weiteres Pärchen waren dabei Cloud und Filou.

Mikesh hatte für die Erfahreneren ein etwas anderes Training vorgesehen. Ihm ging es vor allem darum, gewisse Fähigkeiten wiederaufzufrischen und Fortgeschrittenes zu erlernen. Er ließ Jeden gegen Jeden kämpfen, im gesamten Haus. Jeder suchte sich einen Anfangspunkt. Sie sollten sich möglichst lautlos bewegen und so die anderen finden, ohne vorher selbst entdeckt zu werden. Wer entdeckt wurde, musste kämpfen. Die Morgendämmerung hatte schon eingesetzt, als die Vorstadtkatzen sich müde wieder in ihre Behausungen begaben.

 

… weiter mit Kapitel 4

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