5. Kapitel – Vorstadtkatzen

Die fremde Stadt war beängstigend groß für zwei kleine Vorstadtkatzen. Und Max und Minka waren eine ganze Weile unterwegs gewesen. Sie hatten sich in der Nacht zuvor früher vom Training fortgeschlichen und waren aufgebrochen, ehe die anderen ihren Heimweg antraten. Jetzt war es fast mittags. Sie waren fest entschlossen mehr über die Situation in den Straßen heraus zu finden. Vielleicht bekamen sie sogar heraus, wo Ceasar sich derzeit aufhielt? Jedenfalls hätten Sie so die einmalige Chance, in der Achtung der anderen Katzen aufzusteigen.

Nachdem sie es geschafft hatten unbemerkt bis zur Territoriums Grenze zu kommen, lag eine lange Strecke vor Ihnen, ehe sie das Stadttor passierten. Die kleine Straße, die von der Vorstadt direkt in die Großstadt führte, wurde dabei zu beiden Seiten von kleinen Gräben begleitet. Als sie die große Eiche und die Doppelfelsen erreicht hatten, konnten sie wieder auf ebenen Boden gehen und mussten sich nicht mehr in der Versenkung der Gräben aufhalten, um nicht weiter auf zu fallen. Bald konnten sie den Fluss sehen und die Drillingsbäume, die an seinem Ufer wuchsen. Sie wurden so genannt, weil sie die drei größten Bäume am Fluss waren, nebeneinanderstanden und sich bis auf das kleinste Blatt zu gleichen schienen. Ehrfürchtig schritten sie durch das Stadttor und überquerten mit vor Aufregung gesträubtem Fell die große Brücke, die über den Fluss führte. Da die Brücke auch von Dosenöffnern und ihren Autos – wie die Dosenöffner ihre metallenen Monster nannten – benutzt wurden, liefen die beiden immer dicht am Rand der Brücke, wodurch sie zwischen den Dosenöffnern und dem tiefen Wasser in der Falle saßen. Erleichtert atmeten sie auf, als sie die andere Seite erreicht hatten. Nun schoben Sie sich vorsichtig an den Mehrfamilienhäusern vorbei, die hier dicht an dicht aneinandergereiht waren. Je mehr sie in Richtung Stadtmitte kamen, desto größer der Lärm und der üble Geruch, den die Autos verströmten. Das Grün wurde immer weniger und wich einem fahlen Grau. Hier und da gab es die ein oder andere gepflegte Grünanlage, die das Gesamtbild auflockern sollten. Diese von den Dosenöffnern geschaffenen Flächen erinnerten sie ein wenig an die Parks in der Vorstadt. Doch es war hier viel lauter und stickiger. Aber nicht nur der Lärm, der Geruch und die Autos nahmen zu. Auch strömten immer mehr Dosenöffner die Gehwege entlang. Bald konnten sie kaum mehr etwas sehen, als die Beine der Dosenöffner um sie herum. Als sie endlich eine ruhige Seitengasse erspäht hatten, retteten Sie sich schnell hinein. Mit ängstlich gesträubten Fell suchten sie sich unter den Aschtonnen ein Versteck und beobachteten die vorbeieilenden Dosenöffner. Plötzlich versperrte ihnen ein Schatten die Sicht. Eine schlanke Katze mit großen, aufrechten Ohren und einem Keilförmigen Kopf hielt die Nase in die Luft und schnupperte, ehe sie auf die Aschtonne zu kam, unter der sich Max und Minka versteckten.

„Kommt schon raus“ maunzte sie schroff und setzte sich neben die Aschtonne. „Ihr seid wirklich miserabel im Verstecken.“ Als Max und Minka langsam unter der Aschtonne hervorkrochen, begann die Katzendame zunächst weiter zu sprechen, wo bei sie bedrohlich auf die beiden zu kam.

„Ich frag mich wie ihr hier so lange habt überleben können? Außerdem solltet ihr wissen, dass es keinen Sinn hat sich vor mir zu verstecken. Schließlich gehöre ich zur absoluten Elite des Clans.“ Sie baute sich vor ihnen auf.

„Also? Wollen wir?“ Max und Minka wechselten einen ratlosen Blick.

„Wollen wir was?“ Fragte Max schließlich mit seinem typisch trotzigen Unterton, den er sogleich bereute. Immerhin wusste er nicht, wie gefährlich ihm die Katze werden konnte. Diese peitschte mit ihrem dünnen Schwanz ungeduldig durch die Luft.

„Zum Training natürlich…“ schnaubt sie, doch dann schien ihr etwas aufzufallen. Sie schnupperte nochmal in die Luft und begann dann Max und Minka argwöhnisch zu umkreisen. Immer wieder hielt sie dabei Inne und schnupperte in ihre Richtung. Man konnte ihren kupferfarbenen Augen quasi ansehen, wie es dahinter arbeitete. Minka konnte einen genaueren Blick auf sie werfen. Ihr fiel ein Kratzer an der linken Flanke auf und der schlanke Schwanz wirkte ausgefranst – als wäre er angeknabbert worden.  Schließlich kam die fremde Katze wieder vor Ihnen zum Stehen, senkte bedrohlich den Kopf, ließ die Krallen hervor gleiten und taxierte Max und Minka mit ihren Augen.

„Ihr seid keine einfachen Straßenkatzen“ stellte sie fest. „Euer Fell ist zu gepflegt. Ich sehe auch keine Kampfspuren. Ihr seht wohl genährt aus. An Euch haftet auch nicht der Geruch der großen Stadt… also… woher kommt ihr?“ Die letzte Frage war nur noch ein Fauchen, das Max und Minka das Nackenfell zu Berge stehen ließ.

„Sie gehören zu mir“ eine bekannte Stimme grollte in ihrem Rücken. Die Katze erschrak, trat einige Schritte zurück, Ohren und Schwanz aufmerksam aufrecht haltend. Max und Minka drehten ihre Köpfe soweit es ging nach hinten, denn Ihrer Angreiferin den Rücken zu zudrehen wagten Sie nicht. Da bekam die bekannte Stimme endlich ein Gesicht, als ihr Retter sich an ihre Seite gesellte.

„Dschingis“ fauchte die Katze.

„Verschwinde Lucy“ maunzte Dschingis betont gleichgültig. „Diese Katzen werden euch nicht folgen!“

Knurrend schlich Lucy an Dschingis, Max und Minka vorbei. Am Ausgang der Seitenstraße warf sie Dschingis noch einen letzten, wütenden Blick zu. Dann verschwand sie in der vorbeieilenden Menge.

„Puh, Gott sei Dank hatten wir keine Angst“ schnurrte Max und erntete einen belustigten Blick von Minka. Dschingis wandte sich nun den beiden getigerten Katzen zu und baute sich vor ihnen auf.

„Dies ist absolut kein Ort für Hauskätzchen“ knurrte er. „Wir sind keine Hauskätzchen“, fauchte Minka ihn an und sprang auf. Bei Dschingis strengem Blick jedoch, zog sie den Kopf ein.

„Ihr seid noch nicht Bereit es mit so einem Gegner wie Lucy aufzunehmen.“

„Wer ist sie?“ fragte Minka und setzte sich wieder. Seufzend setzte Dschingis zu einer Erklärung an.

„Zum ersten Mal ist sie mir bei der letzten Auseinandersetzung mit Ceasar aufgefallen. Sie war da. Aber ich wusste nichts über sie und nicht ihren Namen. Wie auf der Versammlung angedeutet sind die verschwundenen Katzen nicht einfach verschwunden, sie wurde abgeworben. Sie war es. Sie wirbt die Straßenkatzen für Ceasars Pläne an. Doch die meisten sehen ihn nie persönlich. Sie werden von seinen Anhängern trainiert und entsprechend ihrer Fähigkeiten bekommen sie eine Aufgabe zugeteilt. Und wenn es nur die ist, wieder auf die Straßen zurück zu kehren und sich bereit zu halten… Allein für ihn zu arbeiten scheint hier jedem Respekt ein zu flößen. Respekt von den anderen Straßenkatzen. Das ist alles was ich bisher herausgefunden habe. Und jetzt bringe ich euch beiden zurück zu eurer kleinen Vorstadt. Dort könnt ihr dann Mikesh informieren. Bin gespannt, was er von eurem kleinen Abenteuer hält!“ Mit diesen Worten erhob sich Dschingis. Doch anstatt denselben Weg wie Lucy zu nehmen, drehte er sich um, und lief in die andere Richtung, weiter in die Gasse hinein. Max und Minka, die sich ebenfalls erhoben hatten, sahen sich überrascht an.

„Was denn?“ rief Dschingis ihnen über seine Schulter hinweg zu. „Wollt ihr hier Wurzeln schlagen?“ Zögerlich folgten ihm die beiden Katzen. Schüchtern bemerkte Minka: „Ich dachte der Ausgang wäre auf der anderen Seite…“ Mittlerweile hatten sie das Ende der Gasse erreicht und standen vor einem Metallzaun.

„Wozu zertreten oder überfahren werden, wenn es auch einfacher geht?“ Erwiderte der schwarze Kater genervt. Geschickt sprang er auf einen Müllcontainer, der vor dem Zaun stand, von dort aus hechtete er an das Gitter des Zaunes, kletterte nach oben und kam auf der anderen Seite wieder runter. Max gab sich Mühe ihm zu folgen. Etwas unbeholfen kletterte auch er über den Zaun, blieb aber mit seinem Fell an den scharfen Kanten hängen und landete schließlich, deutlich weniger elegant, neben dem kleinen schwarzen Kater. Verlegen begann er mit seiner rauen Zunge über die Stellen in seinem Fell zu lecken, an denen er hängen geblieben war.

Seine Gefährtin stellte sich etwas geschickter an. Flink kletterte sie den Zaun hinauf, und landete elegant direkt neben Max.

„Deine kleine Freundin mach eindeutig die bessere Figur, Max“ spottete Dschingis. Max funkelte ihn wütend an, während Minka sich geschmeichelt über die rechte Pfote leckte, und mit dieser über Ihr schmales Gesicht fuhr.

Dschingis erhob sich und schlenderte die Gasse entlang. Kurz bevor die Gasse in einer belebten Straße mündete, hielt er an und drehte sich zu den beiden anderen um. Minka eilte mit hoch erhobenem Schwanz zu ihm. Ihr Gefährte trottete gemächlich hinterher und sah sich aufmerksam die neue Umgebung an.

„Wird’s bald?“ schnaufte Dschingis genervt. Dann wandte er sich dem Haus zu seiner linken zu, von der so etwas wie eine Leiter herunterhing. Als Max dieses Ding näher betrachtete fiel ihm auf, dass es eher wie eine Treppe geformt war. So eine, wie ihre Dosenöffner zu Hause hatten. Allerdings reichte diese nicht ganz bis zum Boden. Geschickt sprang Dschingis auf die erste Stufe, gefolgt von Minka. Max nahm den Sprung als letzter in Angriff.

„Wie nennt man sowas?“ fragte er neugierig.

„Die Dosenöffner nennen es Feuerleiter“ antwortete Dschingis als er mühelos eine Stufe nach der anderen erklomm.

„Gibt es die hier an jedem Haus?“ bohrte Max weiter.

„Nein. In diesem Haus schlafen viele Dosenöffner. Dann gibt es noch Häuser, wie Du und ich sie aus der Vorstadt kennen. Da gibt es keine. Und dann gibt es noch Häuser, an denen die Dosenöffner sich nur Tagsüber aufhalten. Von den Gebäuden halte dich fern. Sie sind riesig. Ragen sogar bis in den Himmel. Da kommt man nicht so einfach rauf.“

„Wozu brauchen sie die?“

„Weiß ich doch nicht“ fauchte Dschingis seinen jungen Begleiter an. Doch dieser schien ihn nicht zu beachten. Mittlerweile waren sie über einen Sims von der Feuertreppe aus auf das Dacht des Hauses gelangt. Max sah sich neugierig um. Das Dach war sehr groß. Größer als die Dächer, die er sonst kannte. Und flach. Nicht so spitz wie das Haus, indem er mit Minka und den Dosenöffnern lebte. Aufgeregt sog er die fremdartigen Gerüche in sich auf und lief dabei hin und her. Bis er schließlich an den Rand des Daches trat und von dort nach unten auf die belebte Straße spähte.

„Wow. Hey Minka, komm mal her“ rief er seiner Freundin zu, die sich grade todesmutig auf ein paar Tauben warf, die sich kurzzeitig auf dem Dach niedergelassen hatten. Natürlich hatten diese sie frühzeitig bemerkt und das Weite gesucht. Der Misserfolg schien ihr aber nichts auszumachen. Sie trabte nun ebenfalls an den Rand des Daches und sah hinunter auf die Stadt.

„Wow“ raunte sie. „Das ist aber hoch.“

„Ihr findet das hoch?“ Knurrte Dschingis genervt.

„Dann seht euch mal richtig um.“ Er trat zu ihnen und wies mit dem Kopf nach links. Das war die Richtung, in die sich die beiden Katzen bewegt hatten, als sie in die Stadt hineinliefen. Sie sahen zunächst viele Bauwerke, die ähnlich hoch waren wie dieses Haus. Aber weiter hinten verdeckten gigantische, eckige Bauwerke ihnen die Sicht auf den Horizont. Staunend standen Max und Minka da und konnten kaum den Blick abwenden.

„Da ist das Zentrum“ erklärte Dschingis. „Dort befinden sich Tagsüber die meisten Dosenöffner. Es ist viel belebter, lauter und übelriechender als hier. Und vor allem: Viel gefährlicher.“

„Ob Ceasar sich da aufhält?“ Minkas Stimme war nur ein flüstern.

„Kann ich mir nicht vorstellen“ gab Max leise zurück. „Zu belebt.“

„Hört, hört“ wandte sich der Streuner nun Max zu. „Da hat doch tatsächlich mal jemand seinen Verstand eingeschaltet. Sehr richtig, Hauskätzchen. Zu belebt für ein Versteck. Aber wer es geschickt anstellt, kann da schnell und einfach Beute ergattern. Die Dosenöffner machen unheimlich viel Dreck. Das meiste davon ist Nahrung. Deswegen tummeln sich da auch genug Straßenkatzen. Aber für ein Versteck oder etwa für eine Ansammlung von derart vielen Katzen auf einem Fleck – viel zu ungeeignet.“

„Wo dann?“ Fragte Max nachdenklich.

„Das, mein kleiner Schmusekater, versuche ich grade heraus zu finden…“

Max überging die offensichtliche Beleidigung. Ihm kam grade ein ganz anderer, spannender Gedanke.

„Kannst Du uns noch mehr zeigen?“ Fragte er unumwunden den zerzausten Kater, der sich grade genüsslich mit seinem Hinterbein am Ohr kratzte. Er hielt kurz inne, richtete sich auf und sah Max tief in die grünen Augen.

„Soll ich hier vielleicht den Stadtführer spielen?“ Fauchte er aufgebracht und stellte seine Haare auf.

„Nein“ warf Minka schnell ein. „Das wollte er bestimmt nicht damit sagen… oder?“ Max schüttelte den Kopf.

„Ja, versteht ihr denn nicht? Wir wären eine echte Hilfe, wenn wir uns genauso gut hier in der Stadt auskennen würden, wie Du, Dschingis! Wir könnten dir helfen Ceasar zu finden. Mehr über seine Stärken und Schwächen herausfinden. Wir könnten endlich unseren Beitrag leisten, Minka.“ Er sah seine Freundin mit glühenden Augen an, die vor Aufregung den Schwanz hin und her peitschte.

„Du hast recht“ maunzte sie. „Das ist unsere Chance. Niemand würde mehr über uns lachen und …“

„Wenn ich Eure Euphorie kurz unterbrechen darf,“ mischte sich jetzt wieder Dschingis ein. „Ich glaube kaum, dass Mikesh das gutheißen würde. Und es ist sehr gefährlich hier und daher wirklich kein Ort, um Eure Egos aufzupolieren. Abgesehen davon, habe ich mit der Suche von Ceasar schon genug am Hals, und kann mich nicht auch noch um zwei Hauskätzchen kümmern, die den eigenen Schwanz nicht finden!“ Aufgebracht ging er an den beiden vorbei und knurrte: „Kommt jetzt, ich bring euch nach Hause, ehe ich es mir anders überlege und euch den Straßenkatzen zum Fraß vorwerfe!“ Die beiden Tigerkatzen trabten schmollend hinterher, wagten es aber nicht, ihm zu widersprechen. Sie würden Mikesh fragen. Sicher würde er zu Anfang nicht begeistert sein von der Idee. Sie würden ihn überzeugen müssen. Aber Max war fest entschlossen, auf diese Weise seinen Beitrag zu leisten. Er würde ihnen schon noch zeigen, aus was für einem Holz er wirklich geschnitzt war.

***

 

„Soso, der alte Dschingis treibt hier also immer noch sein Unwesen…“ Lucy saß aufrecht da, die Brust herausgestreckt, den Kopf erhoben und den dünnen Schwanz ordentlich über die Vorderpfoten gelegt. Regungslos. Ihre Augen hingen an dem großen Kater. Ceasar hatte ihr aufmerksam zugehört. Bei ihrem Eintreffen hatte er bereits Platz in seinem Lager genommen. Es handelte sich dabei um eine alte, kaputte Matratze, die mit Kissen und Decken gemütlich hergerichtet war. Der ganze Raum war mit Sachen bestückt, welche die Menschen achtlos weggeschmissen hatten. Alles, was seine Katzen fanden, wurde hierhergebracht und bekam seinen eigenen Platz. Ceasar schien fasziniert von diesen Dingen. Neben kaputten Fahrrädern, alten Autoreifen und Unmengen an alten Konservendosen, hatten es auch Gegenstände wie die große Matratze und sogar eine Waschmaschine nach hier unten geschafft. Durch die schmalen Öffnungen in der Decke, fiel bereits das orangene Licht der untergehenden Sonne in diesen Teil der Kanalisation, welches dazu führte, dass Ceasars schwarzbraunes Fell eine rötliche Umrandung erhielt. Nachdem Lucy mit Ihrem Bericht geendet hatte, war Ceasar von seinem Lager aufgestanden und lief nun ein paar Schritte vor ihr auf und ab. Dabei schwing er elegant den dicken Schwanz hinter sich her. Er sah aus, wie eine wilde Raubkatze, wie er da so hin und her tigerte. Sie bewunderte seine wilde Rohheit und sein überlegenes Auftreten. Der größte Kater, den sie bisher in ihrem Leben gesehen hatte, machte noch immer großen Eindruck auf sie. Sie verfolgte jeden seiner Schritte mit ihren mandelförmigen Augen.

„Und du hast keine Ahnung, wer die beiden getigerten waren?“ Seine rotglühenden Augen bohrten sich in Lucys. „Nein, Boss“ antwortete sie wahrheitsgemäß und ohne ein Anzeichen von Angst. Das hatte sie schon früh lernen müssen. Keine Schwächen zeigen. Niemals. Und schon gar keine Angst. Das Schätzte Ceasar so an ihr. Schon lange gehörte sie zu seiner absoluten Elite. Von ihm aufgenommen, als sie noch ein Kätzchen war und selbst trainiert. Er hatte sie zu einer exzellenten Kämpferin gemacht, die ihm völlig ergeben war. Er schätzte auch ihr feuriges Temperament, dass sie nicht immer im Griff hatte. Das machte sie noch gefährlicher und unberechenbarer.

„Hmm…“ Nachdenklich hielt Ceasar inne, eher er seinen Laufrythmus wiederaufnahm.

„Das können eigentlich nur welche von diesen Hauskätzchen gewesen sein.“ Er spie das Wort förmlich aus und gab dabei ein leises zischen von sich.

„Das heißt sie wissen, dass ich auf dem Vormarsch bin. Nun gut. Wenn sie es schon wissen, sollen sie sich erst recht fürchten!“ Knurrte er, und stieg wieder auf sein Lager.

„Wie läuft das Training?“ Wendete er sich plötzlich an Lucy. „Wie von Dir gewünscht haben wir die rekrutierten Straßenkatzen in zwei Teams aufgeteilt: Die Schwächeren, die zwar auf unserer Seite stehen, aber im Kampf nicht lang bestehen. Sie haben wir wieder auf die Straße geschickt. Sie sollen Augen und Ohren offenhalten und uns über alles informieren, was wichtig sein könnte. Und dann haben wir einige vielversprechende Exemplare, in deren Training wir viel Zeit investieren.“

„Gut“ antwortete der große schwarzbraune Kater. „Ich werde mir morgen die stärksten unter ihnen anschauen. Geh und sag Spike Bescheid!“

Lucy nickte kurz, dann erhob sie sich geschmeidig und war mit wenigen Sätzen zur Tür hinausgesprungen.

„Früher oder später werden Sie dein Versteck finden“ murmelte Gus.

Ceasar hatte schon lägst bemerkt, dass er es sich in seinem Lieblingsversteck, einer alten Waschmaschine, gemütlich gemacht und das Gespräch mit angehört hatte. Der alte Kater war der einzige, der immer sehr kritisch alles beäugte, was Ceasar tat. Niemand widersprach ihm oder wagte es im Ratschläge zu geben. Niemand außer Gus. Obwohl der kauzige, kleine Kater, mit den glühend gelben Augen, ihm oft lästig war, mochte er ihn und zweifelte niemals an seiner Loyalität. Sie kannten sich schon viele, viele Jahre. Hatten gemeinsam einiges durchgestanden. Er war es, der Ceasar nach dem letzten Kampf mit den Vorstadtkatzen schwer verletzt aufgelesen und in Sicherheit gebracht hatte. Er hatte ihn gepflegt und sich um seine Verletzungen gekümmert. Als Ceasar wieder einigermaßen bei Kräften war, half er ihm ein neues Versteck, eine neue Basis, zu finden. Und er brachte seine alten Verbündeten wieder zusammen. Außer Gus wusste niemand, wie schlimm er nach dem Kampf tatsächlich verwundet gewesen war. Und das war gut so. Denn für seine Anhänger, war er praktisch unbesiegbar. Daher hielt sich das Gerücht auch sehr hartnäckig, dass 5 ausgewachsene Kater notwendig waren, um ihn zu vertreiben. Die Wahrheit aber war, dass es ihn fast umgebracht hätte.

Ceasar streckte sich auf seiner Matratze aus und gähnte ausgiebig.

„Das ist mir klar.“ Gab er dann zurück. Gus hopste aus der Waschmaschine und kam langsam auf Ceasar zu.

„Ich nehme an, dass erwartest Du sogar. Gibt’s einen Plan?“ „Gibt es den nicht immer?“ Gus zuckte mit den Schultern, setzte sich neben Ceasar und begann sich die Pfoten zu lecken, um anschließend damit sein Gesicht zu säubern. „Sollen die nur kommen. Diesmal bin ich vorbereitet. Morgen werde ich mir die Gefolgschaft von weiteren starken Katern sichern.“

„Du bereitest dich vor“ schnurrte Gus. „Das ist gut. Aber das werden die Vorstadtkatzen auch tun…“

„Umso besser“ fauchte Ceasar genervt und hieb mit dem peitschenden Schwanz auf die Kissen ein.

„Alles andere wäre mir auch viel zu langweilig!“

 

… weiter mit Kapitel 6

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