6. Kapitel – Vorstadtkatzen

Mikesh aalte sich in der Nachmittagssonne. Er hatte sich am Rande des Fußweges ausgestreckt, der an seinem Haus vorbeiführte, und genoss die Sonnenstrahlen, die ihm das graugetigerte Fell wärmten und ihm neue Energie verliehen. Die letzten Nächte waren körperlich sehr anstrengend gewesen. Die jüngeren Katzen machten große Fortschritte. Bald würden sie das Training verschärfen können und die Schwierigkeit erhöhen. Besonders beeindruckt war er von Cassandras neu erweckten Fähigkeiten. Sie nutze jeden noch so kleinen Schatten und jeden Winkel, um sich, nahezu perfekt, heran zu schleichen und einen Überraschungsangriff zu starten. Was ihr an Körperkraft fehlte, machte sie mit Intelligenz und Wendigkeit wieder wett. Ihre Schwester Victoria hingegen konnte froh sein, wenn sie Angriffe abwehren oder ihnen entkommen konnte. Die beiden waren nicht nur äußerlich sehr unterschiedlich. Das war aber genau genommen auch kein Wunder. Denn Cassandra wurde zwar von Maja aufgezogen, doch sie war nicht ihr eigenes Kätzchen. Es war Luna, die Cassandra fand. In einer regnerischen Nacht. Sie hatte einen Traum, von einem kleinen, schwarzen Kätzchen, und war davon derart verstört, dass sie sich in den Regen hinausbegab, um spazieren zu gehen, um so den Kopf frei zu bekommen.

Als sie Cassandra fand, konnte diese erst wenige Tage alt sein. Ohne nachzudenken nahm sie das Kleine ins Maul, und rannte mit ihr so schnell es ging zu Ami und Maja. Maja hatte früher an diesem Tag einen Wurf von zwei Kätzchen bekommen. Eines kam tot zur Welt, das Zweite war Victoria. Als Luna das kläglich miauende Bündel zu ihr lag wusste sie, dass sie und Victoria für einander bestimmt waren. Und so wuchsen sie gemeinsam auf, hielten zusammen wie Pech und Schwefel, und waren doch so unterschiedlich.

Aber auch auf die jungen Kater war er sehr stolz. Sie lernten schnell und wurden von Nacht zu Nacht immer stärker. Zuletzt war ihm allerdings aufgefallen, dass Max und Minka das Training gelegentlich schwänzten. Nicht, dass er das anders erwartet hätte, aber er hatte schon gehofft, dass sie das ganze etwas ernster nahmen – wenn es schon sonst nichts gab, was sie ernst nahmen…

Nun trainierten die Vorstadtkatzen schon ein paar Wochen und die Unruhe wuchs. Dschingis war vor einigen Tagen in die Stadt aufgebrochen, um sich dort umzuhören. Sie brauchten unbedingt mehr Informationen. Wie viele Katzen hatte er bereits um sich geschart? Gab e Schwachstellen? Wo befand sich sein Versteck? Konnte man einen Überraschungsangriff ausführen? Es beunruhigte Mikesh, dass er seither nichts von ihm gehört hatte.

In seine Gedanken vertieft merkte er nicht, wie sich eine Katze näherte. Erst als sich ihm Jemand in die Sonne stellte, öffnete er ein Auge, sah aber nur einen Schatten. „Ein wunderschöner Tag, nicht wahr?“ schnurrte eine ihm wohlbekannte Stimme. Er blinzelte ein- zwei Mal und erkannte dann Leejas hübschen Kopf, die sich über ihn beugte. „Ja, die Sonne ist herrlich“, antwortete er und hob den Kopf von den Pfoten, als sich Leeja auch schon neben ihn legte und den Kopf, mit geschlossenen Augen, in die Sonne hielt. Er betrachtete sie von der Seite und schwieg, diesen Augenblick des Alleinseins genießend. Schließlich bettete er seinen Kopf auf seine Vorderpfoten und schloss, leise schnurrend, die Augen.

„Anfangs haben wir uns wirklich wohl gefühlt, bei ihm. Wir dachten wir wären in Sicherheit. Hätten endlich ein Zuhause gefunden. Als ich Gaaja das erste Mal sah, war sie mir gar nicht so sympathisch.“ Leeja schwieg einen Moment und lächelte in sich hinein. Mikesh hatte die Augen geöffnet und die Ohren gespitzt. Nicht ein Wort wollte er verpassen von dem, was Leeja ihm grade anvertraute. „Sie war sein Lieblingsweibchen, das sah man sofort. Sie wurde von allen respektiert, niemand wagte es, ihr zu widersprechen. Bis ich kam.“ Sie schnurrte belustigt. „Vielleicht hast Du ihr als einzige das Wasser reichen können“ erwiderte Mikesh, ebenfalls schnurrend. „Wir waren uns ebenbürtig. Und wir haben uns gehasst“ lachte Leeja. „Aber dann…“ sie wurde wieder ernst. „Er erwartet … Dinge … von seinen Anhängern… schreckliche Dinge…“ Leeja schauderte. „Die Kater mussten manchmal bis aufs Blut kämpfen. Und das nannten sie Training“ schnaufend peitschte sie mit ihrem Schwanz die Luft. Die Vergangenheit schien ihr noch immer nachzuhängen. „Wir Katzen gingen manchmal Tagelang auf Beutezug für ihn. Und schafften immer ein paar neue Rekruten heran. Die stärksten blieben. Die schwachen wurden vertrieben. Eine Katze bekam einen Wurf Junge von einem schwachen Männchen. Das hat Ceasar gar nicht gefallen.“ Leeja schauderte und Mikesh setzte sich auf und kuschelte sich an sie, als wolle er ihr Mut zusprechen. Zögernd fuhr Leeja fort: „Sie mussten alle sterben.“ Mikesh sträubte sich das Nackenfell und der Atem stockte ihm. Wie konnte jemand von Ihresgleichen so grausam sein und wehrlose kleine Kätzchen töten? Leejas nächste Worte waren nur noch ein flüstern. „Ich sollte es tun.“ Erschrocken sprang Mikesh auf die Pfoten. Er sah die Katze, die er so sehr liebte, seit er sie das erste Mal sah, wie ein Häufchen Elend vor sich sitzen. Die stolze Leeja, die scheinbar nie ein Wässerchen trüben konnte, saß da, in sich zusammengesunken und mit bebenden Schultern. Er trat auf sie zu, schmiegte seinen Kopf an Ihre Wange und begann beruhigend zu schnurren.

„Ich nehme an, du hattest keine Wahl…“ versuchte Mikesh sie zu beschwichtigen. Nun war es Leeja, die wie der Blitz auf die Pfoten sprang. Fauchten und buckelnd baute sie sich vor ihm auf und knurrte „Man hat immer eine Wahl! Und ich habe meine getroffen.“

„Sicher“ versuchte er sie zu beschwichtigen. „Aber das muss eine absolute Ausnahmesituation gewesen sein. Ich bin sicher sonst hättest Du das nie getan…“

„Ich habe es nicht getan, klar?“

Mikesh sah sie überrascht an. In seinen Augen lag nichts als Mitgefühl. Die Gefühle von damals schienen seine Liebste wieder einzuholen. Sie legte ihr Fell an und setzte sich wieder. Den Kopf tief gebeugt. Mikesh musste schon genau hinhören um ihre nächsten Worte zu verstehen.

„Ich tat es nicht. Aber ich konnte es auch nicht verhindern.“ Mikesh sagte nichts. Er rührte sich auch nicht. Er sah sie nur an, in Erwartung dessen, was sie ihm noch erzählen würde. „Aber meine Weigerung hatte Konsequenzen. Ich wurde bedroht, angegriffen, bekam kaum was zu essen und war die meiste Zeit eingesperrt. Gaaja war es, die Essen für mich stibitzte und mir so oft es ging Gesellschaft leistete. Sie versorgte auch meine Wunden. Ceasar durfte natürlich nichts davon erfahren. Dann wäre sie bei ihm auch unten durch gewesen.“ Leeja sah Mikesh nun direkt in die Augen. „Ich war dankbar für ihre Hilfe. Doch ich hätte nie gedacht, dass sie sich wegen mir einmal mit ihm anlegen würde.“ Sie atmete tief durch, ehe sie weitersprach.

„Schließlich gelang uns die Flucht. Ich weiß nicht, wie sie es geschafft hat, aber irgendwie konnten wir fliehen. Ich bin einfach nur hinter ihr her und habe mich von ihr führen lassen. Es muss sie jedenfalls viel Mut gekostet haben, denn sie hatte auch schon einiges mitgemacht in seiner Obhut. Sie redet nicht gerne darüber, nicht einmal mit mir. Aber das ist ok…“ Leeja brach ab. Es fühlte sich an, als hätte sie bisher die ganze Last mit sich allein herumgeschleppt und konnte sie nun endlich loslassen. Sie fühlte sich befreit, aber auch müde und erschöpft. Es hatte sie viel Anstrengung gekostet, sich das alles von der Seele zu reden. Sie saß da, den Rücken gebeugt, ihre Schnauze erreichte fast den Boden, der Atem ging stoßweise. Plötzlich bemerkte sie eine sanfte Berührung. Ein weiches Fell, dass sich an sie schmiegte, ein tröstendes schnurren, und eine Raue Zunge, die ihr sanft über die Ohren leckte. Sie wandte den Kopf zur Seite, wo er auf Mikesh‘ breite Brust traf, und schmiegte sich an ihn. Langsam entwich ein leises Schnurren ihrer trockenen Kehle. Die beiden Katzen saßen noch lange eng beisammen. Sie sprachen nicht viel. Sie kuschelten sich in der Sonne zusammen und putzten sich gegenseitig liebevoll das Fell.

 

Felix lugte vorsichtig um die Ecke. Er hatte kaum gewagt zu atmen, so angestrengt hatte er Leejas Erzählung verfolgt. Buster, der mit wütend funkelnden Augen hinter ihm saß, hatte auch aufmerksam zugehört, nachdem Felix ihm mit seinen Krallen zu verstehen gegeben hatte, endlich die Klappe zu halten. Er konnte so laut und ungestüm sein. Sicher würde Buster es ihm noch eine Weile nachtragen, dass er sein Fell zerzaust und seiner Visage einen kleinen Kratzer zugefügt hatte. Aber damit konnte er umgehen. Die beiden waren schon zu lange befreundet. Felix dachte noch eine Weile über das nach, was er grade gehört hatte, da beschloss Buster, dass sie genug gewartet hatten. „Sein Lieblingsweibchen also, ja?“ knurrte er vor sich, stapfte an Felix vorbei und bog um die Ecke. Felix bemühte sich ihm hinterher zu kommen und noch vor ihm bei Mikesh und Leeja zu sein, um seinen besten Freund von Dummheiten zu abzuhalten. Tatsächlich kam Felix eine Pfotenlänge vor seinem Freund vor den beiden Katzen zu stehen. Buster hielt mit säuerlicher Miene hinter ihm an.

Als Mikesh und Leeja die scheinbar wie aus dem Nichts auftauchenden, beiden Kater bemerkten, richteten Sie sich schnell auf und rutschten verlegen ein wenig voneinander ab.

„Hallo ihr zwei Turteltäubchen“ schnurrte Buster, Widerwillen amüsiert. Mikesh räusperte sich

„Hallo. Was gibt’s Neues?“ Er bemühte sich um einen möglichst neutralen Tonfall.

„Wir waren grade in der Nähe“ kam Felix Buster zuvor, „da haben wir gedacht … öhm … schauen wir doch mal rein.“ Unbehaglich stellten sich Felix Nackenhaare auf.

„Pfft, Amateur“ zischte Buster seinem Freund leise ins Ohr. Dann trat er zu Mikesh und setzte seine altbekannt lässige Miene auf.

„Wir wollten mit Dir über das Training sprechen.“

„So?“ fragte Mikesh etwas misstrauisch.

„Ja,“ gab Buster unbeeindruckt zurück. „Wir sollten das Training langsam anziehen. Wer weiß was der Halunke derzeit alles ausbrütet.“ Bei seinem letzten Satz bekam seine Stimme einen gefährlich knurrenden Unterton und seine Augen blitzten auf. Mikesh musste zugeben, dass er Buster in dieser Angelegenheit kaum so viel Inbrunst zugetraut hätte. Er legte seinen Kopf schief und erwiderte langsam „Ja, das selbe habe ich auch schon gedacht.“

„Ich habe gedacht, wir teilen alle in zwei Teams ein, und dann wird Team gegen Team gekämpft. Je nachdem wie sich jeder Einzelne bewehrt, können wir dann…“ Buster stockte, als ihm auffiel, dass Mikesh längst nicht mehr zuhörte. Sein Blick war starr auf etwas hinter Buster gerichtet. Diesem behagte es gar nicht, wenn man ihm nicht die volle Aufmerksamkeit schenkte.

„Hörst Du mir zu?“ Fauchte er deshalb. Doch Mikesh schien ihn zu überhören.

„Na, sieh mal an, wer da kommt“ miaute er stattdessen verwundert. Missmutig drehte nun auch Buster sich um, und sah prompt zwei getigerte Katzen, die Straße hochgerannt kommen. Im selben Moment, wie der große Kater sich zu den Neuankömmlingen umdrehte, wurde er bereits von der heranrasenden Minka entdeckt. Diese versuchte in vollem Lauf zu bremsen, als sie den großen Hübschen erkannte, für den sie, zu Max Leidwesen, offen schwärmte, woraufhin sie ins Stolpern geriet. Max, der hinter ihr herlief, und sowieso schon ziemlich ins Schwitzen geraten war, konnte nicht mehr anhalten und krachte in seine Freundin hinein. Kullernd, mit Überschlag, kamen sie schließlich mit der Schnauze voran zu Busters Füßen zu liegen, der sie amüsiert musterte.

Max rappelte sich als erster wieder auf, überging Buster und wandte sich direkt an Mikesh.

„Wir haben dir viel zu erzählen“ hob er an.

„Ja, zum Beispiel warum ihr letzte Nacht so plötzlich vom Training verschwunden ward…“ erwiderte Mikesh. Nun schaltete sich auch Minka ein, die sich in der Zwischenzeit etwas verlegen aufgerappelt hatte. Sie sprach zu Mikesh, aber ihre Augen klebten die ganze Zeit über an Buster.

„Wir – wir haben eine lange Tour hinter uns. Und ein paar interessante Neuigkeiten!“

Buster sah Minka und Max immer noch amüsiert von oben herab an. Mikesh nahm es ihnen ein wenig krumm, dass sie das gemeinsame Training geschwänzt haben. Deswegen sagte er: „Zunächst einmal möchte ich wissen, was wichtiger sein kann, als unser gemeinsames Training. Max, du bist nicht unbedingt der Fitteste und Minka, du kannst auch noch eine Menge lernen!“

„Bist Du jetzt fertig mit der Schimpferei?“ maunzte Max genervt und rollte mit den Augen.

„Och Mikilein“ schnurrte jetzt Minka, schob sich an Buster vorbei und kam Mikesh’s Gesicht sehr nahe.

„Nun sei doch nicht länger eingeschnappt…“

„Ich bin nicht eingeschnappt!“ Fauchte Mikesh und stellte beleidigt das Nackenfell auf. Doch Minka ignorierte ihn. Ihre Augen klebten schon wieder an Buster.

„Wir haben einen sehr abenteuerlichen Ausflug unternommen“, langsam zog sie einen engen Kreis um Buster, sodass sich ihre Felle sanft streiften.

„Und dabei haben wir viel Wissenswertes über unseren Gemeinsamen Feind in Erfahrung gebracht.“ Max warf ihr einen kurzen, missbilligenden Blick zu, dann fuhr er an ihrer statt fort: „Tatsächlich waren wir in der Stadt und haben dort Dschingis getroffen.“ Jetzt wurden alle Anwesenden Katzen hellhörig.

„Warte, warte, warte“ begann Mikesh aufzubegehren. „Ihr ward in der Stadt? Seid ihr Lebensmüde? Was hätte euch nur alles passieren können?!“ Wütend war er aufgesprungen, sträubte das Fell und peitschte mit dem Schwanz durch die Luft.

„Uns ist ja nichts passiert…“ hob Max an, wurde jedoch von Leeja unterbrochen, die ebenfalls aufgesprungen war und versuchte, Mikesh zu beruhigen.

„Euer Glück“ sagte sie sachlich. „Das habt ihr vermutlich Dschingis zu verdanken. Denn wenn Ceasar und seine Konsorten euch erwischt hätten, würdet ihr jetzt wohl nicht hier vor uns sitzen.“

Langsam beruhigte Mikesh sich und setzte sich wieder.

„Wo ist Dschingis jetzt?“ Fragte Mikesh besorgt.

„Noch immer in der Stadt. Er holt noch weitere Erkundigungen ein.“ Antwortete Max. „Aber wir haben die Informationen für Dich mitgebracht“ schnurrte Minka weiter und wälzte sich vor Buster mit auf dem Boden, was ihr ein missbilligendes Augenrollen von Max einbrachte. „Kommt zum Punkt“ schnaufte Mikesh etwas genervt und sah Max erwartungsvoll an. Auch Busters Aufmerksamkeit galt nun dem getigerten Kater, weshalb sich Minka beleidigt aufrappelte und sich neben ihrem Freund setzte. Felix war nun näher gerückt und plötzlich stand Max im Mittelpunkt.

Mit einem Mal fühlte er sich wichtig. Die anderen Katzen nahmen ihn ernst und lachten ihn nicht nur aus. Alle hingen an seinen Lippen. Also richtete er sich auf, zeigte stolz die Brust und begann zu erzählen: „So wie es aussieht, werden die Straßenkatzen angeworben. Von einer kleinen, schlanken Katze namens Lucy. Wir haben schon ihre Bekanntschaft gemacht. Keine sehr angenehme Katzendame. Jedenfalls, die wenigsten von den Angeworbenen, bekommen Ceasar zu Gesicht. Sie werden von seinen Anhängern trainiert und entsprechend ihren Fähigkeiten aussortiert. Die schwachen werden zurück auf die Straße geschickt. Was mit den stärkeren genau passiert, wissen wir nicht. Dschingis sucht noch immer nach dem Versteck von Ceasar. Ich dachte, er könnte vielleicht Hilfe gebrauchen…“ Niemand sagte was, als er geendet hatte. Erwartungsvoll richteten sich alle Augen auf Mikesh, der das gesagte noch einzuordnen versuchte.

„Uns bleibt also nicht mehr allzu viel Zeit…“ murmelte er schließlich. „Wenn diese Lucy erkannt hat, dass ihr keine Straßenkatzen seid, weiß Ceasar mit Sicherheit auch darüber Bescheid. Ihr könnt von Glück sagen, dass Dschingis da war!“

„Bestimmt kann er etwas Unterstützung gebrauchen“ begann Max wieder.

„Lass mich raten: Du willst ihm helfen…?“  widerholte Felix skeptisch.

„Wir“ unterbrach Minka resolut. „Wir arbeiten im Team.“ Bei diesen Worten hob sie das Kinn an und streckte vor Stolz die Brust heraus, mit einem kleinen Seitenblick auf Buster, was Max mit einem genervten Schwanzpeitschen quittierte.

„Jedenfalls“ begann er dann und richtete sich wieder an Mikesh. „Ich habe gedacht, es würde vielleicht allen helfen, wenn wir uns Dschingis anschließen würden.“ Als er sah, wie Mikesh sich erhob und sein Fell sich wieder sträubte, legte er schnell nach. „Ich meine, wir könnten von ihm lernen. Die Stadt kennen lernen. Es macht doch Sinn, wenn wir das Territorium des Feindes kennen, oder? Und außerdem finden wir so viel schneller sein Versteck!“ Mikesh atmete tief durch. Dann begann er hin und her zu laufen, offenbar in einem Konflikt mit sich ringend. Es war schließlich Felix, der das Wort ergriff.

„Das ist eigentlich keine schlechte Idee, wenn einige von uns zu einer kleinen Erkundigungstour aufbrechen. Die Stadt ist groß, gemeinsam könnten wir mehr erreichen…“ „Das ist zu gefährlich“ warf Leeja ein. „Wenn ihr seinen Handlangern in die Tatzen fallt, machen die mit euch kurzen Prozess.“

„Umso wichtiger ist es, dass wir nicht unvorbereitet sind“ hielt Max dagegen. „Wir wollen von Dschingis lernen. Er kann uns so viel beibringen darüber. Und wir lernen etwas über unsere Feinde, über Stärken und Schwächen…“

„Das reicht!“, wurde er von Mikesh unterbrochen. Alle wandten sich ihm zu. Er hatte sich mittlerweile wieder gesetzt. Sein Schwanz lag ordentlich über seine Vorderpfoten und sein Gesicht hatte wieder einen sachlichen Ausdruck angenommen.

„Ich werde darüber nachdenken“ begann er.

„Aber Mikesh“ fiel ihm Minka ins Wort, doch er brachte sie mit einem ungeduldigem Schwanzhieb zum Schweigen. „Wenn ich Euch beide daraus schicke, dann mit Sicherheit nicht ohne eine entsprechende Vorbereitung. Wir treffen uns bei Sonnenuntergang in der alten Villa.“

„Oh was?“ fiel Minka erneut ins Wort. „Ich bin noch so müde, wir sind schon die ganze Nacht und den ganzen auf den Beinen…“

„Wir. Treffen. Uns. An. Der. Villa.“ Wiederholte Mikesh mit Nachdruck und ließ keinen weiteren Widerspruch zu. „Ihr wolltet es so, oder nicht? Dann werdet ihr jetzt ordentlich trainieren müssen.“ Sein Gesicht wurde wieder etwas sanfter. „Ich weiß noch nicht, ob es sehr dumm oder sehr mutig war, was ihr getan habt. Aber ihr habt uns wichtige Informationen gebracht. Und dafür bin ich dankbar. Jetzt geht ihr aber nach Hause und holt noch ein wenig Schlaf nach. Ich brauche euch nachher fit!“

Artig machten die beiden Katzen kehrt und begaben sich auf den Heimweg. Wobei Minka Buster noch einen anbetenden Blick zu warf.

Felix sah den Beiden nach und wandte sich dann an Mikesh. „Ceasar weiß jetzt mit Sicherheit, dass wir gewarnt sind und trainieren. Und das wir uns sogar auf sein Territorium begeben…“

„Das ist ein Problem“ stimmte Buster zu. Auch Mikesh nickte.

„Umso wichtiger ist es, dass wir die Beiden vorbereiten. Und dazu brauche ich Euch alle.“ Er blickte in die Runde und seine Augen blieben schließlich bei Leeja hängen. „Auch dich und Gaaja.“

 

„Ehrlich mal, musstest Du dich dem Typen so an den Hals werfen?“ Knurrte Max, als er durch ein offenes Kellerfenster in das gemeinsame Haus schlüpfte. Minka kam ihm schnurrend hinterher.

„Ach? Bist Du etwa eifersüchtig?“

„Quatsch,“ knurrte Max. Doch Minka warf sich gegen seine Seite. Sie kabbelten sich etwas, doch schließlich gewann Minka die Oberhand und nagelte Max fest.

„Doch das bist Du“ schnurrte sie. Versöhnlich vergrub sie ihr Gesicht in Max‘ weiches Fell am Hals, ehe sie von ihm herunterstieg. Langsam rappelte er sich auf.

„Das brauchst Du nicht“ gab Minka dann zurück. „Sein Herz gehört doch längst einer anderen!“

„Wirklich? Wem?“ Fragte Max. Minka lachte, auf Grund der Naivität Ihres kleinen Freundes.

„Na Gaaja“ schnurrte sie. „Er ist ganz verrückt nach ihr, dass sieht doch jeder.“

„Echt?“ Gab Max zurück. „Ich nicht.“ „Warum wundert mich das jetzt nicht?“ neckte Minka ihn und wich aus, als er spielerisch nach ihr schlug. Lachend tollten die beiden durch das Haus, ehe sie, auf der großen Fensterbank im Wohnzimmer, im Sonnenlicht einschliefen.

 

… weiter mit Kapitel 7

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