8. Kapitel – Vorstadtkatzen

Max stürmte auf seinen Kontrahenten zu. Er bäumte sich vor ihm auf, lies sich dann sofort mit ausgefahrenen Krallen auf ihn fallen, und stellte beim Aufprall fest, dass sich sein Gegner blitzartig zur Seite bewegt hatte. Die Erkenntnis kam zu spät. Ehe er noch reagieren konnte, war er hinter ihm. Ein schwerer Körper drückte ihn zu Boden. Er wand sich, doch dem eisernen Griff konnte er kaum entfliehen. „Du bist zu langsam“ hörte er Busters selbstgefällige Stimme an seinem Ohr. In diesem Moment stürzte ein kleiner Schatten, mit ausgefahrenen krallen und lautem Fauchen, auf ihn zu. Um auszuweichen trat er von Max‘ Körper herunter, und machte einige hastige Schritte zurück. Dabei stieß er an ein morsches Regal, dass an der Wand lehnte und nur noch von dieser Zusammengehalten wurde. Als der große beigebraune Kater nun gegen das Regal prallte, brach dieses zusammen und die morschen Holzbretter begruben ihn unter sich. Sie waren nicht schwer und so brauchte er sich nur aufzurichten, um sich aus den Trümmern zu befreien. Jetzt guckte ein etwas verdutzter Buster aus den Trümmern hervor. Er fing sich erst, als er ein ihm vertrautes Lachen vernahm.

„Du siehst vielleicht komisch aus“ prustete Gaaja. Max hatte sich wieder aufgerappelt und gesellte sich zu Minka, die laut schnurrend vor Buster stand. „Ich sagte doch: wir arbeiten im Team.“

„Mein Fehler war, meine Umgebung zu vergessen.“ Knurrte Buster und befreite sich vollends aus den Trümmern.

„Wäre dieses Regal nicht gewesen, ich hätte es locker mit Euch beiden gleichzeitig aufgenommen und Euch in der Luft zerrissen!“

„Da hast du völlig recht“ stimmt Gaaja zu, doch in ihren Augen funkelte immer noch der Schalk.

„Aber Minkas Stärke war es, diese Umgebung und deine Unachtsamkeit perfekt für sich auszunutzen.“ Schnurrend setzte sie sich neben Buster und begann ihm mit der Zunge zu putzen, um einige verblieben Holzspäne aus seinem Fell zu holen.

„Um mit Straßenkatzen fertig zu werden, fehlt Ihnen dennoch eine Menge Training.“ Schnauzte Buster, der die Berührungen von Gaaja ruhig über sich ergehen ließ.

„Wenn sie nicht mal mit uns fertig werden…“

„Ich stimme dir zu“ unterbrach Gaaja ihn, und ignorierte, dass Max sich empört aufgebläht hatte und grade etwas entgegen wollte. Stattdessen redete sie weiter.

„Sie haben noch viel zu lernen. Und es ist jetzt wohl unsere Aufgabe, es ihnen bei zu bringen.“ Ein leises knurren entstieg Busters Kehle.

„Ich könnte mir Besseres vorstellen, als hier den Babysitter zu machen…“

„Ach ja?“ Fuhr Max jetzt auf.

„Wir könnten uns auch Besseres vorstellen, als hier mit einem alten Kater abzuhängen!“ Eher er wusste wie ihm geschah, hatte Buster sich schon auf ihn gestürzt und ihn am Boden festgenagelt.

„Wenn nennst Du hier alt?“ Fragte ihn der große Kater gefährlich leise, dessen Ego diese Beleidung offenbar nicht duldete. Max funkelte ihn an. Minka versuchte zu schlichten und rieb ihren Kopf versöhnlich an Busters Flanke.

„Naja, er hat es nicht so gemeint…“

„Doch das habe ich!“ Unterbrach Max, doch Minka redete einfach weiter.

„Aber wir sind keine Babys und wir lernen schnell. Wenn wir erst so stark sind wie Du, sind die Straßenkatzen bestimmt kein Problem mehr für uns!“

Von Minkas Worten geschmeichelt stieg Buster von Max herunter und setzte sich. Er leckte sich die Pfote, strich damit über sein Gesicht und setzte seine gewohnt selbstgefällige Miene auf. Gaaja schnurrte amüsiert. Doch in ihrem Hinterkopf meldete sich eine leise Stimme, die ihr sagte, dass sie nicht sicher war, ob Buster mit einer Horde von Ceasars ausgebildeten Straßenkatzen klarkam. Aber wenn Max und Minka erst von ihnen alle Grundlagen gelernt hatten, konnte Dschingis darauf aufbauen. Und vielleicht hatten sie dann eine echte Chance. Es musste einfach gelingen. Es stand einiges auf dem Spiel. Die beiden mussten gut genug sein, dass Minka die benötigten Informationen über Blue einholen konnte. Das war im Moment Gaajas Hauptinteresse. Deshalb behielt sie ihre Zweifel für sich und sagte betont optimistisch: „Also dann, fangen wir an!“

 

***

 

Als die Morgensonne am Horizont erschien und alles, was sie berührte, in ein zartes rotes Licht einhüllte, schlichen Max und Minka grade vom Grundstück der Villa herunter. Völlig erschöpft und mit hängenden Schwänzen, traten sie den Weg nach Hause an. Als letzte verließen Gaaja und Buster die Villa und wurden bereits von Leeja und Mikesh erwartet.

„Muss ja ein intensives Training gewesen sein, so kaputt wie Max und Minka ausgesehen haben…“ stellte Mikesh zufrieden fest, ehe er merkte, dass die Strapazen des Trainings auch an den beiden Älteren nicht vorbeigegangen waren. Busters halblanges Fell glänzte längst nicht mehr so, wie zu Beginn der letzten Nacht. Es war an einigen Stellen recht durcheinandergeraten. Seine Augen zeigten seine Erschöpfung, als er sich mit einem plumpsen vor Mikesh und Leeja niederlies.

„Ich bin zu alt für diesen Scheiß“ stöhnte er. Gaaja ließ sich neben ihm zu Boden sinken, streckte alle viere von sich und schmiegte den Kopf an Busters Vorderpfoten.

„Wir werden eben beide nicht jünger,“ schnurrte sie etwas mitgenommen.

„Ihr Armen“ schnurrte Leeja und hatte Mühe, sich nicht anmerken zu lassen, dass sie die Situation auch ein wenig amüsierte.

„Lass uns nach Hause gehen, Gaaja. Da kannst Du dich ausruhen!“

„Kann ich hier nicht einfach liegen bleiben?“ murmelte Gaaja und rückte noch näher an Buster heran. Diesem huschte ein liebevoller Ausdruck übers Gesicht, aber als er bemerkte, dass Mikesh ihn interessiert musterte, hatte er sich schnell wieder im Griff.

„Süße“ Leeja trat an die Freundin heran und leckte ihr sanft über das Gesicht.
„Wir müssen nach Hause. Sonst machen sich die Dosenöffner noch Gedanken und dann lassen die uns abends nicht mehr so unbekümmert raus…“

Gaaja wusste, dass ihre Freundin recht hatte und erhob sich, leise seufzend. Dann fuhr sie sich mit der rauen Zunge über die Pfote und strich sich damit über das Gesicht.

„Na gut, gehen wir“ maunzte sie schließlich, und machte sich auf, das Grundstück zu verlassen.

„Macht‘s Gut, Jungs“ rief sie Mikesh und Buster über die Schulter hinweg zu. Leeja trottete ihrer Freundin hinterher, warf aber immer wieder Blicke über die Schulter zu Mikesh, der die beiden Katzen beobachtete, bis sie um die nächste Ecke verschwunden, und von seiner Position aus nicht mehr zu sehen waren.

„Fang jetzt bloß nicht an zu sabbern, Mike“ knurrte Buster genervt. Doch seine Augen funkelten amüsiert. Mikesh drehte sich schnell zu ihm um und sah aus, als hätte man ihn grade dabei erwischt, wie er das gute Porzellan zerdepperte. Er räusperte sich verlegen und sagte dann in betont lässigen Tonfall: „Gut, gut, also das Training war wohl sehr intensiv. Wie ist es denn gelaufen?“

Buster zog die Augenbrauen hoch, bei diesem schnellen Themenwechsel. Doch die spitze Bemerkung, die ihm auf der Zunge lag, behielt er lieber für sich. Stattdessen wechselte auch er in den Plauderton und erstattete Mikesh Bericht.

„Also, die beiden haben gute Fortschritte gemacht. Sie lernen schnell und im Team ergänzen sie sich perfekt. Die Grundlagen haben sie begriffen, aber sie sind ja auch keine Kätzchen mehr. Sie sollten noch ein wenig Einzeltraining bekommen, damit sie lernen auch allein klar zu kommen, wenn der Andere grade Unabkömmlich ist.“

„Ja, das ist eine gute Idee“ murmelte Mikesh nachdenklich. „Seid Ihr bereit die beiden morgen Nacht noch einmal gemeinsam zu trainieren?“ Buster stöhnte auf.

„Wenn’s sein muss.“ Knurrte er.

„Das muss es.“ Stellte Mikesh ohne Umschweife klar. „Danach werden wir das Training ein wenig umstellen. Wenn ihnen die Grundlagen soweit klar sind, könntet ihr schon mit ein paar fortgeschrittenen Tricks anfangen. Anstatt mit Ihnen durch die Villa zu turnen, lasst die Beiden doch etwas schwitzen“ Mikesh zwinkerte Buster bei seinem letzten Satz zu. Dessen Miene hellte sich auf.

„Gute Idee“ schnurrte er.

„Aber jetzt verzieh ich mich. Ich brauche meinen Schönheitsschlaf.“ Mit diesen Worten verabschiedete er sich von seinem gestreiften Freund und trat müde den Heimweg an. Auch Mikesh machte sich auf den Weg, in sein zu Hause. In seinem Kopf arbeitete er aber schon wieder Fieberhaft an einem neuen Training für Max und Minka.

 

***

 

Ein leises schnurren kroch Ceasar die Kehle hinauf, während er interessiert dem Trainingskampf folgte. Es gab einige wirklich vielversprechende Talente unter den Straßenkatzen. Grade wurde ein Kater, den alle nur ‚Bob‘ nannten, von Slim ziemlich in die Mangel genommen. Slim gehörte schon seit Ewigkeiten zu seinem Clan. Sein Fell war grauweiß, die Augen leuchtend grün und sein stechender Blick flößte so manchem Widersacher Respekt ein. Seit seiner letzten Auseinandersetzung mit den Vorstadtkatzen, fehlte ihm ein Teil seines rechten Ohres. Allein deswegen schon sann er auf Rache. Wenn Bob sich gut bewährte, würde er in Ceasars Clan aufgenommen werden. Das schien für ihn Anreiz genug zu sein, bis zum äußersten zu kämpfen. Immer wieder wand er sich aus der Umklammerung Slims heraus, weichte den Attacken geschickt aus und wartete nur auf die Gelegenheit einen Gegenangriff zu starten. Der Kampf dauerte mittlerweile schon geraume Zeit an und Bob schien der Erschöpfung nahe. Doch er gab nicht auf. Immer öfter trafen ihn Slims Prankenhiebe. Aber er stand immer wieder auf, bereit weiter zu kämpfen. Ceasar kam nicht umhin ihn für seine Ausdauer zu bewundern. Sogar Slim war mittlerweile schwer am Atmen. Als dieser den jüngeren Kater erneut zu Boden geschlagen hatte, trat Ceasar in den Kreis der umherstehenden Katzen und beendete so den Kampf. Slim setzte sich und begann seine Wunden zu lecken, während Ceasar zu den auf dem Boden liegenden Bob schlich. Dieser nahm alle kraft zusammen, um sich wiederaufzurichten und saß schließlich schwer atmend, und mit herunterhängenden Schultern, vor dem großen Boss. Seine Schwanzspitze zuckte nervös. Noch nie hatte er einen derart großen Kater gesehen. Er wagte kaum ihm in die Augen zu schauen. Schließlich sprach er ihn an.

„Du hast gut gekämpft mein Sohn. So einen wie Dich kann ich gut gebrauchen. Geh jetzt und lass deine Wunden versorgen.“ Gehorsam schlich Bob aus dem Ring und verschwand in einem der Tunnel, die von dem feuchten, dunklen Raum in der Kanalisation, in der sie sich befanden, abzweigte. Ceasar sah ihm zufrieden nach. Dann wandte er sich dem nächsten Anwärter zu. Ein dünner, getigerter Kater namens Boyd.

„Über Dich habe ich schon einiges gehört“ begann er mit dröhnender Stimme, die den kleinen Kater zusammenzucken ließ.

„Du wirkst auf dem ersten Blick sehr schmächtig. Aber Du scheinst viel Kampferfahrung mitzubringen, wie man so hört. Ich habe schon früh gelernt, mich nicht von Äußerlichkeiten täuschen zu lassen. Also, jetzt ist deine Chance mir zu zeigen, was Du kannst. Du wirst gegen Lucy kämpfen.“

Die schlanke Katze trat aus der Masse hervor in den Ring. „Lass dich von ihrer schmalen Gestalt aber nicht täuschen. Sie ist eine meiner Besten.“ Schnurrte Ceasar und verließ den Ring. Der Kampf begann und bald war klar, die beiden Kämpfenden hatten nichts zu verschenken. Während Ceasar auch diesem Kampf interessiert zu sah, setzte sich ein schwarzer Kater neben ihn. In der Dunkelheit der Kanalisation war er nur durch seine grünen Augen zu erkennen.

„Gefällt dir meine Auswahl?“ Fragte er den Riesen neben sich.

„Du hast gute Arbeit geleistet“ erwiderte Ceasar.

„Die Auswahl ist wirklich herausragend.“

„Danke,“ der schwarze Kater senkte ehrfürchtig den Kopf. „Die letzte Trainingseinheit hat leider weniger vielversprechende Exemplare hervorgebracht. Aber ich habe bereits mit einer weiteren begonnen und werde dir in wenigen Tagen einige starke, neue Anwärter präsentieren können.“ Ceasar schnurrte befriedigt.

„Wir müssen uns gut vorbereiten. Diese Hauskätzchen glauben doch tatsächlich, sie könnten es mit mir aufnehmen.“

„Du hast den größten Teil der Stadt schon unter deiner Kontrolle. Und die wenigen Viertel die noch fehlen, werden dir auch bald gehören. Niemand wird dich mehr so einfach besiegen können…“ bei seinem letzten Satz war dem schwarzen Kater ein kleiner Fehler unterlaufen. Dies stellte er nun schmerzlich fest, als sich der große Kater, ohne größere Kraftanstrengung, auf ihn warf, und ihn zu Boden drückte. Sein Maul kam den Ohren des schwarzen Katers bedrohlich nahe.

„Ich war noch nie einfach zu besiegen, merk dir das!“ Dann stieg er von ihm herunter und richtete seine Aufmerksamkeit wieder auf die Kämpfenden. Der schwarze Kater richtete sich auf und begann sich das Fell glatt zu lecken.

„Aber, wenn ich die Kontrolle über die Vorstadt erlangen will, brauche ich mehr Krieger.“ Meinte Ceasar dann nachdenklich.

„Natürlich“ erwiderte sein Gesprächspartner.

„Nichts Anderes habe ich gemeint. Aber die Hauskätzchen werden sich nach dem letzten Mal mit Sicherheit auch vorbereitet haben, also ist es nur Recht und Gut, wenn…“ Ein Knurren, welches tief aus der Kehle Ceasars emporstieg, ließ ihn verstummen.

„Du bist als nächster dran“ sagte Ceasar nach einer Weile, als er beschlossen hatte den Kampf zwischen Boyd und Lucy zu beenden. Er stieg erneut von seinem Vorsprung hinab und betrat den Kreis. Boyd, der ziemlich mitgenommen aussah, hatte sich ebenso gut halten können, wie sein Vorgänger. Und wie dieser, begab auch er sich in einen anderen Teil der Kanalisation, um seine Wunden dort von anderen Katzen versorgen zu lassen.

Die letzte Anwärterin für heute war eine ältere Katze namens Donna.

„Du wirst gegen Spike kämpfen“ verkündete Ceasar. Als er aus dem Ring schritt und langsam an Spike vorbeilief, raunte er ihm zu: „Ich unterschätze meine Gegner niemals, merk dir das.“

 

***

 

Die Sonne war schon fast hinter dem Horizont verschwunden, als Dschingis die Vorstadt erreichte. Er war jetzt 6 Sonnenaufgänge und 5 Sonnenuntergänge in der Stadt gewesen und hatte so einige Informationen im Gepäck, die für Mikesh sicherlich interessant sein dürften. Vor allem aber war er froh, von dem Fraß der Straße fort zu sein. Er war geschickt und konnte auf der Straße überleben. Die Menschen schmissen immerhin sehr viel leckeres Zeug weg. Aber es gab mittlerweile so viele Katzen, die auf diese Reste aus waren. Und nicht nur Katzen. Auch herumstreunende Hunde, Raben oder Ratten, mit denen man sich die vorhandenen Reste teilen musste. Außerhalb der Städte war er recht erfolgreich beim Fangen von unaufmerksamen Mäusen oder leichtsinnigen Vögeln. Aber nichts war mit dem vergleichbar, was ihn bei seiner Rückkehr erwartete. Die Dosenöffner, bei denen sein Freund Mikesh wohnte, verwöhnten ihn gelegentlich mit Thunfisch, manchmal gab es auch Hering. Immer, wenn Dschingis eine längere Zeit in der Großstadt verbracht hatte, lud ihn sein alter Freund anschließend zu sich ein und teilte seinen leckeren Happen mit ihm. Manchmal überließ er ihm den auch ganz. Dem kleinen, schwarzen Kater lief bei dem Gedanken schon jetzt das Wasser im Mund zusammen und seine Müdigkeit war plötzlich wie weggeblasen. Er beschleunigte seine Schritte und hatte bald die Vorstadt erreicht.

Auf dem Weg zur großen Villa, mied er die Straßen der Vorstadt. Zu viele Dosenöffner und Hunde, um diese Zeit. Er schlich lieber hinter den Häusern entlang, wo ihn nichts und niemand bemerkte und er somit auf dem schnellsten Weg die Villa erreichen konnte. Während er langsam hinter den Gärten entlang trottete, und die Informationen zu verarbeiten versuchte, die er während seiner Zeit in der Stadt erworben hatte, erreichte er die hohe Hecke eines Grundstücks, dass zu seiner linken lag. In seine Gedanken vertieft merkte er nicht, wie sich auf der anderen Seite der Hecke, etwas zum Angriff bereitmachte. Plötzlich schoss ein kleiner, schwarzer Schatten aus der Hecke, und riss ihn von den Pfoten. Instinktiv fing er sich mit den Vorderpfoten ab und trat mit seinen Hinterläufen kräftig nach dem Angreifer aus. Er traf und eine kleine Gestalt wurde von ihm geschleudert, landete aber in einiger Entfernung geschickt auf allen vier Pfoten. Schnell war Dschingis wieder auf den Beinen, buckelte, stellte sein Fell auf und gab ein gefährliches grollen von sich. Auch sein Gegenpart buckelte, und tänzelte vorsichtig auf ihn zu. Als er nicht mehr viele Schritte entfernt stand, hörte er auf zu buckeln und das Fell legte sich wieder.

„Ach du bist es, Dschingis“ hörte er die kleine Katze leise sagen. Durch ihren vertrauensvollen Tonfall, und dadurch, dass sie deutlich jünger war als er, ordnete er sie als gefahrlos ein, legte sein Fell an und setzte sich. Misstrauisch beäugte er die kleine schwarze Katze, die vor ihm stand, und erschrak. Es war, als würde er in sein eigenes Spiegelbild sehen. Sie sah ihm wirklich verblüffend ähnlich. Langsam sagte er: „Und… wer bist du?“

„Ich bin Cassandra“ stellte sie sich höflich vor. „Ich kenne dich von der großen Versammlung und vom Training bei der Villa.“

„Du trainierst bei der Villa?“ Fragte er überrascht.

„Du bist doch grade mal Muttis Zitzen entwachsen…“ Wenn er sie mit dieser Bemerkung verärgert hatte, ließ sie es sich jedenfalls nicht anmerken. In ruhigem Tonfall erklärte sie: „Oh, ich weiß, ich bin recht klein für mein Alter. Und ja, bis vor einigen Wochen haben meine Schwester und ich uns noch in der Kinderstube aufgehalten. Aber die jüngsten Ereignisse lassen so manches Kätzchen schnell erwachsen werden.“

Die Art, wie sie sprach, hatte wirklich nicht viel kindliches mehr an sich, wie Dschingis feststellte. „Wenn Du also bei der Villa trainierst, warum bist Du jetzt nicht dort? Wird dort nicht mehr trainiert?“

„Oh doch“ beeilte Cassandra sich zu sagen.

„Ich wollte gleich dorthin. Aber zuerst wollte ich mir noch den Sonnenuntergang ansehen. Luna sagt, der Sonnenuntergang und der Sonnenaufgang, das sind magische Zeiten des Tages. Da passieren manchmal die verrücktesten Dinge.“

Verträumt sah sie in den Himmel. ‚So etwas Verrücktes kann ja nur von Luna kommen‘ dachte Dschingis bei sich. Laut aber sagte er: „Gut, wie Du meinst. Ich muss jetzt los.“ Er stand auf, und lief an Cassandra vorbei. Nachdem er einige Meter gelaufen war, sah er sich noch einmal nach der kleinen, schwarzen Katze um und bemerkte, dass sie ihm folgte.

„Was? Verfolgst Du mich etwa?“ Knurrte er. Doch die Kleine zuckte nur unschuldig mit den Achseln.

„Die Sonne ist untergegangen und ich muss auch zur Villa. Genau wie Du.“

Da Dschingis nicht wusste, was er erwidern sollte, rollte er nur mit den Augen und setzte seinen Weg fort. Cassandra folgte ihm schweigend. Er wunderte sich, dass sie ihm bisher noch nicht aufgefallen war. Vermutlich weil er sich nicht besonders für Katzenmamas und ihre Kätzchen interessierte. Aber diese kleine hatte einige Interessante Wesenszüge an sich und sah ihm noch dazu sehr ähnlich. Er beschloss sie künftig im Auge zu behalten.

 

… weiter mit Kapitel 9

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