11. Kapitel – Vorstadtkatzen

Leeja kletterte vom Baum hinunter und gesellte sich zu den anderen. Ami rief die umhertollenden Kätzchen zur Ordnung, während Gaaja Maja zu beruhigen versuchte, die aufgeregt hin und her tigerte. Seit dem Morgen war Cassandra verschwunden. Und niemand hatte sie gesehen. „Ganz ruhig, Maja. Ihr wird schon nichts passiert sein. Sie ist doch kein kleines Kätzchen mehr.“

„Aber sie ist auch noch nicht erwachsen“ fauchte Maja.

„Das wir ihren Geruch verloren haben zeigt, dass Sie sich zu verstecken vermag.“

„Richtig“ pflichtete Ami jetzt bei. „Wenn sie nicht gefunden werden will, dann findet man sie auch nicht. So war sie schon immer.“

„Das ist alles die Schuld von diesem Chaospaar“ schimpfte Maja weiter.

„Max und Minka?“ fragte Victoria skeptisch.

„Natürlich! Wer sonst?“ Wies sie ihre jüngere Tochter wütend zurecht.

„Maja“ erhob Gaaja jetzt die Stimme.

„Weder Max und Minka noch Victoria können irgendwas dazu. Cassandra hat frei entschieden. Sie will ihre Ruhe haben. Das ist offensichtlich. Sie wird zurückkommen. Das hier ist schließlich ihr zu Hause.“

„Das ist richtig“ warf Leeja ein, die ihre Freundinnen grade erreicht hatte. „Genau genommen, ist sie schon auf dem Weg.“

„Hast Du sie gesehen?“ Fragte Maja atemlos und war mit wenigen Sätzen bei Leeja. Sie kam ihr so nah, dass Leeja zwei Schritte zurückgehen musste, um ihr ins Gesicht schauen zu können.

„Äh… Ja, sie ist bald hier. Sie hat sicher nur Zeit für sich gebraucht…“

„Die kann sie haben“ fauchte Maja. „Wenn sie die nächsten Nächte in ihrem Körbchen verbringen darf, anstatt zur Villa zu gehen…“

„Maja“ mischte sich jetzt Ami ein. „Leg ihr doch nicht zu starke Fesseln an! Je mehr Du sie bedrängst, desto weiter wird sie sich von Dir entfernen! Beruhige dich und vertraue deiner Tochter.“ Ami war mit jedem Wort nähergekommen, ehe sie sich in voller Größe vor Maja aufgebaut und sie zur Raison gebracht hatte.  Mit einem tiefen Seufzer setzte sich die weiße Katze mit den braunen Flecken und den schwarzen Streifen hin und versuchte sich zu beruhigen, in dem sie sich mit ihrer rauen Zunge über das Brustfell leckte. Nach einer Weile sah sie ihre Freundinnen der Reihe nach an.

„Ihr habt wahrscheinlich Recht“ seufzte sie schließlich. Gaaja leckte der Freundin liebevoll über die Ohren.

„Jetzt lass uns abwarten, was sie uns zu berichten hat, wenn sie hier ankommt. Bleib ganz ruhig. Es geht ihr gut und es ist bestimmt nichts passiert …“

 

***

 

Dschingis sah sich am Stadtrand um. ‚Hier irgendwo muss es sein. Hier irgendwo wurde Cassandra gefunden‘, dachte er bei sich selbst, als er die Straße, die Weide und die Gräben absuchte, die sich zu beiden Seiten der Straße befanden.

„Ich wusste, dass Du früher oder später hier auftauchen würdest“ schnurrte plötzlich eine bekannte Stimme. Er sah sich um. Sein Blick fiel auf die große Eiche. Der alte Baum befand sich am Rande der Straße. Er trat näher. In der Abenddämmerung konnte er im Blattwerk nicht viel erkennen. Außer den strahlend blauen Augen, die ihm entgegen funkelten.

„Luna“ begrüßte er sie. Langsam ließ sich die Katze mit dem beigen Fell und den braunen Kopf und Beinen vom Ast gleiten.

„Oh, du kennst meinen Namen…“ schnurrte sie.

„Ja… von der Versammlung…“ murmelte Dschingis und sah sie mit zusammengekniffenen Augen an. „Wieso hast Du mich erwartet?“

„Nun“, begann die schlanke Katze und lief dicht an Dschingis vorbei, auf den Graben zu. „Ich denke Du bist hier um einiges über Cassandra zu erfahren. Wer sie ist und wo sie herkommt.“

„Woher weißt du das?“

„Man spürt die Verbindung zwischen euch. Und ihr seht euch nicht unähnlich. Tatsächlich“ fuhr sie zögernd fort, „habe ich gehofft dich bald hier anzutreffen, um…“ sie blinzelte und es war ihr sichtlich unangenehm fortzufahren. Um sich zu beruhigen setzte sie sich und putzte sich die Pfote. Dschingis rollte mit den Augen und seine Schwanzspitze zuckte ungeduldig. Bald hielt er die Spannung nicht mehr aus und fuhr die Siam-Katze an: „Bei allen Monden dieser Welt – sprich endlich! Das ihr Weibchen immer so lange braucht, bis ihr zum Punkt kommt…“ Nun war es an Luna verärgert mit dem Schwanz zu zucken. Sie kniff die Augen zusammen und warf Dschingis einen giftigen Blick zu. Aber aus der Haut zu fahren war nicht ihr Stil. Sich verschrecken zu lassen aber auch nicht. Also kratzte sie sich zunächst genüsslich mit dem Hinterbein hinterm Ohr, ehe sie sich erhob und wortlos an ihm vorbei schlenderte. Dschingis sah ihr misstrauisch nach, mit seinem kaputten Ohr zuckend.

Luna schlenderte auf die andere Seite der Straße und lief ein Stück die Böschung hinunter. „Kommst du?“ Fragte sie betont gleichgültig, als Dschingis sich nicht von der Stelle bewegte.

Unwillig trottete der schwarze Kater ihr hinterher.

Sie erwartete ihn auf einem kleinen Felsen sitzend, der aus dem Graben herausragte, der etwas unterhalb der Straße entlang führte. Aus einer Mischung aus Neugier und Misstrauen, sah er sich um. Es schien ewig zu dauern, bis Luna wieder anfing zu reden.

„Hier habe ich sie gefunden. Genauer gesagt, da!“ Sie wies mit der Schnauze auf einen kleinen Sandhügel auf der anderen Seite des Grabens. „Es hat stark geregnet in dieser Nacht. Ich war grade aus einem düsteren Traum aufgewacht, da hatte ich den tiefen Drang nach draußen zu gehen.“

„Im Regen?!“ Fragte Dschingis, als glaube er ihr kein Wort. „Ja im Regen“ antwortete Luna betont ruhig. „Ich lasse mich gern vom Mondlicht und meinen Sinnen führen. Es fühlt sich ein wenig fremdgesteuert an, aber wenn man sich darauf einlässt, dann sieht und spürt man mehr als jede andere Katze.“ Als Dschingis nichts erwiderte fuhr sie fort. „Ich bin dann irgendwie auf der Straße gelandet und hörte plötzlich dieses klägliche Miauen. Als ich hier herunter bin, war dieser Felsen komplett überspült mit Wasser. Während ich noch nach Halt suchte, sah ich plötzlich einen Körper der sich bewegte. Irgendwie fand ich einen Weg auf die andere Seite. Bei dem Körper handelte es sich um eine junge Katze, die mit dem Rücken zum Wasser lag. Neben ihr, auf der Landseite, lagen zwei tote kleine Katzenbabys. Zwischen ihren Vorderpfoten hielt sie ein drittes Kätzchen. Ich schlich zu ihr hin. Sie musterte mich mit ihren großen gelben Augen. Ich konnte fühlen, wie das Leben nach und nach aus ihrem Körper schwand. Dann hörte ich wieder dieses leise Miauen. Es schien ihr Mühe zu machen, doch sie hob den Kopf und stieß das kleine Fellknäuel zwischen ihren Pfoten in meine Richtung. Das war Cassandra. Ich nahm meine Vorderpfote und schob die Kleine enger an mich heran. Sie war nass, hungrig und zitterte. Für Ihre Mutter gab es wohl keine Hoffnung mehr. Ich hielt bei ihr Wache, bis ihr Brustkorb sich nicht mehr bewegte. Dann nahm ich Cassandra beim Nackenfell ins Maul und brachte sie zu Maja. Maja hatte vor ca. zwei Wochen Victoria zur Welt gebracht. Es waren eigentlich zwei Kätzchen gewesen. Aber eines von ihr kam tot zur Welt. Cassandra ist nur etwa eine Woche älter als Victoria, also habe ich sie zu Maja in die Kinderstube gebracht. Und selbstverständlich hat sie die Kleine sofort angenommen und sie erzogen, wie ihre eigene Tochter.“

Dschingis schwieg noch lange, nachdem Luna ihre Geschichte beendet hatte. Er hatte es sich neben dem Felsen in einem Moos Bett bequem gemacht und blickte angestrengt ans andere Ufer hinüber. Es war Luna, die als erste das Wort ergriff. „Ich habe den anderen nie erzählt, was wirklich passiert ist. Nur, dass ich Cassandra gefunden hatte. Der einzige, der das sonst noch weiß ist Luca. Ich glaube für die Anderen ist es auch unwichtig, aber…“ Sie sah Dschingis mit einem durchdringenden Blick an, ehe sie fortfuhr, „… für Dich vermutlich nicht.“

„Du hast ihre Mutter also gesehen?“ Murmelte Dschingis schließlich. „Naja“ antwortete Luna zögernd. „Es hat geregnet in der Nacht und der Mond schien nicht so hell wie sonst. Außerdem war sie triefnass. Aber manchmal, wenn die Blitze den Himmel erhellt haben, konnte ich ihr schwarzes Fell bläulich schimmern sehen. Sie musste einmal eine Bildhübsche Katze gewesen sein… Es war fast ein Verbrechen, wie man sie verschandelt hatte…“ „Verschandelt?“ Dschingis horchte auf. Luna nickte traurig. „Sie hatte viele frische Wunden, einige waren kaum verheilt. Sie musste viel Blut verloren haben.“

Eine Weile sagte keiner von Ihnen ein Wort. Sie sahen beiden zu dem Fleckchen Erde hinüber, wo Cassandras Mutter einst gestorben war. Dschingis versuchte sich vor zu stellen, wie sie dort gelegen hatte, ihre Jungen beschützend, bis jemand da war, der sie retten konnte – oder sie starben. Luna richtete den Blick schließlich aufwärts, zum Mond, der langsam die letzten Sonnenstrahlen vertrieb. Sie wollte nicht an das grausige Ende denken, dass diese Katze und ihre Jungen ereilt hatte. Sie versuchte sich lieber vorzustellen, wie sie wohl war, als sie noch lebte. Ein leises schnurren entglitt ihrer Kehle, als sie das Wort wieder an Dschingis richtete: „Sie war sogar noch kleiner als Du. Kein Wunder, das Cassandra so zierlich ist…“

Dschingis riss sich aus der Starre und sah zu Luna hinauf. „Sie war klein, hatte schwarzblaues Fell und gelbe Augen – ist das richtig?“ Luna nickte langsam.

„An was erinnerst Du dich noch?“ Sie dachte ein paar Augenblicke lang nach. Dann sagte sie langsam „Sie hatte eine Pfote, die heller war als ihr Fell. Vielleicht weiß oder Beige oder so. Ich konnte es nicht gut erkennen, bei dem Regen und der Dunkelheit. Und sie hatte den längsten Schwanz, den ich je bei einer Katze gesehen habe. Ich sah ihn nur kurz, als sie ihn aus dem Wasser hob, um mich zu grüßen…“

Dschingis atmete tief ein und aus. Langsam erhob er sich und watete ins niedrigstehende Wasser hinein. Luna beobachtete ihn, ohne auch nur den geringsten Laut von sich zu geben. Dschingis betrat die andere Seite der Böschung und beschnupperte mit der Nase den Boden, als ob er hoffte dort noch den Geruch der Katze wahr zu nehmen. Doch diesen hatte das Wasser längst mit sich fortgenommen. Dann setzte er sich und erwies der toten Katze die Ehre, indem er mit weit aufgerissenen Augen zum Mond schaute. Einige Momente lang verharrte er in der Position, ohne sich zu bewegen, nur im Zwiegespräch mit dem runden Mond am Himmel. Luna legte den Kopf auf die Pfoten und wartete schweigend, bis er mit seiner stillen Andacht fertig war. Als er sich wieder bewegte, aufstand und sich streckte, wagte sie ihn direkt zu Fragen, obwohl sie die Antwort längst kannte. „Du kanntest sie, nicht wahr? Cassandra ist deine Tochter!“

Dschingis verzog grimmig das Gesicht. Oh ja, er kannte sie. Leila. Ebenfalls ein Streuner. Bis sie diesen Ceasar kennen lernte. Da trennten sich ihre Wege. Ob sie da schon trächtig war? Möglich wäre es. Selten hatte er eine so schöne, wie auch starrköpfige und starke Katze kennen gelernt. Cassandra würde bestimmt auch so eine Schönheit werden. Doch das Gesicht hatte sie wohl von ihm. Und die Augen auch. Und den Kampfgeist. Den Sturkopf aber, hatte sie von ihr – da war er sich absolut sicher. Als ein leises schnurren seine Kehle herauf kroch, schalt er sich selbst einen Trottel.

Er hatte sich nie was aus Nachwuchs gemacht, und das würde sich auch jetzt nicht ändern. Cassandra war nur eine von vielen Katzen, die er kannte. Etwas jünger zwar als die, mit denen er sich sonst abgab. Ansonsten schwor er sich aber, keinen Unterschied zu machen.

Luna schien keine Antwort zu erwarten. Darum machte er sich daran, die Böschung hinter ihr wieder hoch zu klettern. Erst als sie beide wieder oben waren, wandte sich Luna erneut an Dschingis.

„Was wirst Du jetzt tun?“

„Gar nichts.“ War die schroffe Antwort des schwarzen Katers. „Ich habe genug damit zu tun Max und Minka auf die bevorstehende Mission vor zu bereiten. Ich kann mich nicht auch noch um ein Kätzchen kümmern.“ Mit diesen Worten ließ er Luna zurück und machte sich auf in Richtung statt. ‚Außerdem‘ dachte er noch bei sich selbst, ‚ist sie bei Maja und den anderen viel besser aufgehoben‘.

 

***

 

„Okay, geh‘n wir das ganze nochmal durch. Ihr haltet Euch die meiste Zeit versteckt. Haltet Euch aus Schwierigkeiten heraus und kämpft nur, wenn es keinen anderen Ausweg gibt. Denk daran, was ich Dir für Informationen gegeben habe, und bitte…“ Gaaja die auf dem Weg in die alte Villa leise auf Minka einredete, wurde von dieser genervt unterbrochen.

„Ja, ich weiß“ zischte sie. Sie hatten sich von Leeja und Max etwas abgesetzt und unterhielten sich leise.

„Keine Sorge, ich werde diese Blue schon finden.“ Grummelte Minka. „Du hast mir schließlich oft genug von ihr erzählt… es kommt mir schon zu den Ohren raus…“ Minka lief noch einige Schritte, dann fiel ihr auf, dass Gaaja stehen geblieben war. Sie sah zurück und fand das Gaaja ganz schön bedröppelt drein Blickte. Sie hatte die Augen zu einem Spalt zusammengekniffen und sah hinunter auf ihre Vorderpfoten. Ihre Schwanzspitze zuckte nervös. Minka atmete tief durch. Sofort machte sich ihr schlechtes Gewissen bemerkbar. Sie ging auf die größere Katze zu und drückte ihr den Kopf in die Flanke.

„Tut mir leid. Aber mach Dir keine Sorgen. Ich finde deine Blue schon und dann mach ich mit ihr einen Treffpunkt aus. Es wird bestimmt wieder alles zwischen Euch.“ Gaaja blickte auf und sah Minka in die Augen. Sie hatten sich jetzt ein paar Wochen kaum gesehen, da sie viel mit Dschingis trainiert hatte. Doch in der Zeit davor, hatten sie einige Zeit mit einander verbracht und sich besser kennen gelernt. Gaaja hätte nicht gedacht, dass sich Minka ihr gegenüber so loyal und liebevoll verhalten würde. Und, was sie noch mehr überraschte, sie hatte nicht gedacht, dass sie selbst sich ihr einmal so verbunden fühle würde. Überrascht stellte sie fest, dass sie sich auch um Max und Minka sorgte. Sie wusste wie rau es auf der Straße und bei Ceasars Leuten zugehen würde. Sie wusste, in welch eine Gefahr sich Max und Minka begeben würden. Und sie hatte Angst. Aber nicht etwa davor, dass Blue vielleicht schon nicht mehr am Leben oder in miserablen Zustand wäre. Nein, noch mehr Angst hatte sie davor, die neu gewonnene Freundin zu verlieren. Freundin. Dies Wort war ihr bisher lediglich in Verbindung mit Leeja in den Sinn gekommen. Sie sah Minkas mitfühlende Augen und fühlte sich schlecht. Als ob die Mission nicht schon gefährlich genug wäre, hatte sie nichts Besseres zu tun, als sie auch noch mit ihren privaten Problemen zu belästigen.

Leise schnurrend rieb sie ihre Wange an die Wange der überraschten Minka. „Selbst, wenn Du Blue nicht finden solltest. Viel Wichtiger ist, dass Du wieder Gesund hierher zurückkehrst. Du und Max. Ich könnte es nicht ertragen noch eine Freundin zu verlieren.“ Als sie sich von Minka löste, schenkte sie ihr ein aufmunterndes zwinkern. Dann ging sie langsam an ihr vorbei, Richtung Eingang.

Minka blieb noch eine Weile wie angewurzelt draußen stehen. Eine Freundin. Sie hatte eine Freundin gewonnen. Und sie hatte gar nichts dafür getan. Sie hatte noch nie eine Freundin. Es gab immer nur sie und Max. Zuerst hatte sie noch ihre Geschwister. Aber nachdem sie in ihr Neues zu Hause umzog, dass zuvor Max allein gehört hatte, waren sie wie Pech und Schwefel gewesen. Das mussten sie auch sein, denn ihre Besitzer arbeiteten viel und hatten wenig Zeit für die Katzen. Deswegen brauchten sie für Max eben auch noch einen Gegenpart. Seither hatte sie nichts Anderes gekannt. Sie und Max gegen den Rest. So war es schon immer. Und nie hatte sie sich was Anderes gewünscht. Bis sie Gaaja und Leeja kennen lernte. Und wie liebevoll sie miteinander umgingen. Wie Liebevoll Mikesh mit Leeja umging und Buster, Felix, Brutus… Seither hatte sich in den Beiden der Wunsch breit gemacht auch dazu zu gehören. Das war ein Grund, weshalb sie sich auf diese Mission begaben. Sie wollten etwas beitragen um sich und die anderen zu schützen. Und somit beliebte Mitglieder der Nachbarschaft werden.

Und jetzt hatte sie eine Freundin gewonnen. Einfach so. Ihr wurde ganz warm ums Herz und ein tiefes Schnurren entrang ihrer Kehle.

„Hey, Minka, kommst Du jetzt?“ Max rief ungeduldig vom Eingang nach ihr und riss sie aus ihren Gedanken. Mit freudig erhobenen Schwanz und abgeknickter Spitze, rannte sie auf ihren Partner zu und gemeinsam begaben sie sich ins Dachgeschoss der Villa.

 

***

 

Als sich alle Vorstadtkatzen auf dem Dachboden der Villa versammelt hatten, fassten Mikesh und Brutus die aktuellen Informationen zu Ceasar und zum derzeitigen Trainingsstatus zusammen. Eine heitere Stimmung breitete sich dabei aus, denn die Trainings liefen übererwarten gut. Die jungen Kater und Katzen lernten schnell und wurden immer besser. Sogar Luna und Luca sind mittlerweile recht passable Kämpfer geworden. Victoria würde sich zusammen mit Ami um die mittlerweile gar nicht mehr so kleinen Kätzchen kümmern, während Maja beschlossen hatte, selbst in den Ring zu steigen. Schließlich gab auch Dschingis seinen Bericht ab, der sich vor allem auf die Ausbildung von Max und Minka bezog. Schließlich forderte Mikesh die beiden auf, sich nach vorne zu ihm zu gesellen. Zögernd folgten die beiden Katzen dem Aufruf und setzten sich, den anderen Katzen zugewandt, neben Mikesh’s Sessel auf den Boden. Etwas unsicher sah Minka in die Gesichter der Katzen und Kater, die ihnen in die Augen blickten. Während Max etwas grimmig und entschlossen dreinblickte, suchte sie in den Gesichtern der anderen nach einem ähnlichen Blick, wie sie ihn in Gaajas Augen hatte sehen können. Dabei stellte sie verwundert fest, dass die wenigsten sie mit Abscheu oder herablassend betrachteten. Viele waren aufmerksam, neugierig, aufgeregt.

„Morgen ist der Tag, an dem sich Max und Minka auf ihre Mission in die große Stadt begeben. Die Aufgabe, die sie da erfüllen sollen ist gefährlich. Aber sie stellen sich mutig dieser Herausforderung, und“ fügte er schnurrend hinzu, „diesem Abenteuer. Dschingis hat sie gut trainiert und…“ plötzlich hielt er mitten im Satz inne. Seine Augen weiteten sich, als er zum anderen Ende des Raumes blickte. Seine Ohren zuckten nervös. Jetzt, wo es totenstill war in der Villa, hörten es die anderen Katzen auch. Etwas kam die Treppe hoch. Diese knarrte sehr unter dem Gewicht. Sie hörten ein leises Schnauben, das immer lauter wurde.

„Ich werde langsam zu alt für solche Strapazen…“ röchelte Jemand.

„Es ist ja nur dieses eine Mal“ flüsterte eine andere Stimme versöhnlich. Schließlich kamen zwei Gestalten langsam die Treppe hinauf und erklommen endlich die letzten paar Stufen. Nun blieben auch den anderen Katzen die Mäuler offen stehen. Auf die versammelten Katzen kam ein Katzenpaar zu, dass seines gleichen Suchte. Der alte Kater Jeronimus schleppte sich, gestützt von der blinden Bella, bis nach oben zu den versammelten Katzen. Jeronimus lieh ihr seine Augen, indem sie ständige Berührung mit ihm hatte – sie ihm ihre Stärke, indem sie ihn stützte. Er wies den Weg, sie brachte sie hin. Buster hatte sich als erstes von seiner Überraschung erholt. Schnurrend lief er auf den großen, grauen Kater zu und stützte ihn von der anderen Seite. „Freut mich, dass Du es geschafft hast“ raunte er ihm zu. „Tja, in deinem alten Herrn ist doch noch etwas Leben drin“ lachte Jeronimus seinen Sohn an. Mikesh sprang von seinem Sessel herunter und begrüßte freudig schnurrend seinen alten Mentor.

„Was führt dich nur zu so später Stunde noch hierher?“

„Na was wohl?“ Erwiderte Jeronimus milde. Als er Bellas Seite verließ, eilte Buster ihr zur Hilfe und zeigte ihr via Körperkontakt einen Platz, wo sie sitzen konnte. Jeronimus wandte sich Max und Minka zu, die mit offenen Augen und Mündern zu ihm aufsahen.

„Was denn?“ Fragte Jeronimus. „Erwartet ihr jetzt, dass ich Euch füttere? Bedaure“ der alte Kater lachte, dass sein ganzer Körper mit wippte. Schnell löste sich Max aus der Starre.

„Es ist uns eine Ehre, dich zu begrüßen“ flüsterte er ehrfürchtig. Er und Minka ließen ergeben die Köpfe sinken.

„Ist doch selbstverständlich, dass ich komme.“ Schnurrte Jeronimus. „Ich muss mich doch wenigstens Verabschieden und Euch die besten Wünsche mit auf den Weg geben, wenn zwei so ehrenwerte Mitglieder der Gemeinschaft selbige verlassen, um eine riskante Mission zu erledigen, von der unser aller Zukunft abhängen könnte!“

Max und Minka trauten ihren Ohren kaum. Ehrenwert? Mitglieder der Gemeinschaft?

„Ihr schaut so überrascht…“ grinste Jeronimus.

„Wir… wir dachten nicht, dass wir…“ stammelte Minka.

„Das wollen wir erst noch werden“ kam Max ihr zur Hilfe. „Ehrenwerte Mitglieder der Gemeinschaft.“

Jeronimus riss nun seinerseits die Augen auf.

„Wieso glaubt ihr, dass ihr das nicht schon seid?“ Schweigen.

„Ich sehe“ murmelte Jeronimus langsam.

„Ihr habt immer schon zu uns gehört“ mischte sich jetzt Mikesh ein. „Ich habe mich um Euch gesorgt, wie um jeden anderen in der Nachbarschaft.“

„Aber so eine Freundschaft wie Leeja und Gaaja sie haben…“

„Ahhh…“ unterbrach Jeronimus Minka. „So eine Freundschaft ist etwas besonders. Freundschaften dieser Art verdient man sich. Deswegen seid ihr noch lange keine Ausgestoßenen!“

„Ich glaube“ Mikesh erhob seine Stimme und wandte sich damit an alle anwesenden Katzen, „jeder von uns wünscht sich, dass ihr wohlbehalten zu uns zurückkehrt. Freund oder nicht. Ihr, Max, Minka und auch Dschingis, seid ein Teil dieser Gemeinschaft, dieser Nachbarschaft. Danke, dass ihr für uns diese Mission bestreitet. Kommt gesund wieder!“

Zustimmendes miauen erfüllte die Villa, so laut, dass man es bis zur Straße hören konnte.

 

… weiter mit Kapitel 12

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