14. Kapitel – Vorstadtkatzen

Große Aufregung herrschte unter den Vorstadtkatzen. In den frühen Morgenstunden sind Max, Minka und Dschingis aus der Stadt zurückgekehrt. Diese Nachricht hatte sich wie ein Lauffeuer unter den Katzen verbreitet. Alle waren neugierig, was sie zu berichten hatten. Aber Sie würden sich noch bis in die Abendstunden gedulden müssen. Mikesh hatte seinen Mitstreitern unmissverständlich klargemacht, dass die drei nun erstmal einen Tag ruhen sollten, um sich von den Strapazen der Mission zu erholen. Jeder hatte dafür Verständnis und so fasste man sich in Geduld.

Leeja und Gaaja lagen träge in der Mittagssonne am Gartenteich, als Gaaja beschloss, Minka schon etwas früher einen Besuch abzustatten. Sie musste wissen, ob Minka Blue hatte finden können. Und natürlich machte Sie sich auch Sorgen, wie es ihr generell in der großen Stadt ergangen ist. Sie wartete, bis Leeja fest eingeschlafen war und schlich dann leise an der Freundin vorbei, zum hinteren Teil der Hecke, die den Hof umgab. Schnell war eine passende Stelle zum Durchschlüpfen gefunden. Hinter den Häusern lief ein kleiner Kiesweg entlang, der von der anderen Seite von einem kleinen Rinnsal begleitet wurde. Wenn Sie sich diesen Weg entlang schlich, müsste Sie eigentlich unbemerkt bei Max und Minka ankommen.

Dem Rinnsal folgend, lief Sie geduckt den Weg entlang. Nachdem Sie einige Häuser passiert hatte, überquerte Sie das fließende Wasser über eine kleine Brücke. Sie durchstreifte das folgende Wäldchen und kam bald darauf bei einem weiteren Kiesweg heraus, dem Sie nun weiter folgte. Es dauerte nicht lange, da hatte Sie den Hof von Max und Minka erreicht. Im Gegensatz zu dem Haus in dem Sie und Leeja wohnten, war Max und Minkas Heimat eher klein. Es besaß keine Garage, dafür aber eine breite Hofeinfahrt. Das Haus war zwar komplett unterkellert, die wichtigsten Lebensräume der Dosenöffner befanden sich aber im Erdgeschoss. Das Dachgeschoss wurde lediglich als Rumpelkammer und Büro genutzt, da es nicht besonders groß war. Das Gebäude glich eher einem Bungalow. Mehr Platz brauchten die Dosenöffner aber auch nicht. Es gab keine Kinder. Und da beide die meiste Zeit des Tages, und manchmal auch nachts, arbeiteten, waren Max und Minka die meiste Zeit des Tages allein. Was die beiden aber nicht besonders störte, solange sie sich gegenseitig hatten. Der Garten war ebenfalls entsprechend gemütlich und schlicht gehalten. Eines der Kellerfenster stand immer offen. So konnten Max und Minka sich völlig frei bewegen. Dennoch war eine Woche eine lange Zeit und Gaaja fragte sich, ob die Dosenöffner die Abwesenheit der beiden Mitbewohner wohl bemerkt hatten.

Sie hatte es mittlerweile unbehelligt in den Garten geschafft, und suchte nun nach dem geöffneten Kellerfenster. Schnell hatte sie es gefunden und lugte vorsichtig hinein. Unterhalb des Fensters war ein altes Sofa, auf dem sie landen konnte. Also schob sie sich vorsichtig durch das kleine Fenster und landete trittsicher auf der Rückenlehne. Vorsichtig suchte Sie sich ihren Weg vom Sofa herunter. Dann machte sie sich leise auf die Suche nach ihren Freunden.

Grade hatte Sie sich durch den Keller ihren Weg gesucht, und stand nun vor der Treppe die ins eigentliche Haus führte, da hörte Sie eine vertraute Stimme von oberhalb der Treppe.

„Gaaja?“ Flüsterte Minka und kam auf leisen Pfoten die Treppe heruntergeschlichen.

„Was machst Du hier?“ Fragte sie, als sie vor der Freundin stand. Verlegen räusperte sich Gaaja und legte sich ihre Worte zurecht.

„Bevor es alle anderen tun, wollte ich Euch willkommen heißen. Ich freue mich, dass ihr wohlbehalten zurück seid.“ Schnurrend rieb sie ihre Wange an Minkas. Minka erwiderte das Schnurren, trat dann aber zurück und sah Gaaja prüfend an.

„Nett, dass Du das sagst. Aber wir wissen beide, dass dies nicht der Grund ist, warum du hier bist.“ Gaaja fühlte sich ertappt. Verlegen senkte sie den Blick und setzte sich. Sie wagte es kaum Minka in die Augen zu sehen, so schäbig kam sie sich vor, ihre neue Freundin so kurz nach der Mission zu behelligen. Plötzlich erschien ihr die Idee nicht mehr so gut.

„Ist schon gut“ begann Minka leise. „Das muss Dir nicht peinlich sein und ich bin Dir auch nicht böse. Ich weiß, wieviel dir Blue bedeutet. Aber bevor hier jemand Wind von der ganzen Sache bekommt, mache ich es lieber kurz: Ich habe Blue getroffen und mit Ihr einen Treffpunkt in drei Nächten ausgemacht. Das wäre dann morgen Nacht.“

Gaaja sah überrascht auf. Es dauerte einige Sekunden, bis Sie die Nachricht verarbeitet hatte. Dann entrang ihrer Kehle ein erleichtertes Schnurren und ihre Augen strahlten Minka an.

„Du hast Sie getroffen? Wie geht es ihr? Ist sie wohlauf?“ „Soweit ich sehen konnte, geht es ihr gut“ gab Minka zurück. „Treffpunkt ist die Stadt. Wenn Du in die Stadt kommst, musst Du zuerst die Brücke überqueren, die über den Fluss führt. Wenn Du weiter geradeaus gehst, gelangst Du bald in ein Wohnviertel. Da gibt es eine Gasse mit riesigen Müllcontainern. Es ist die dritte oder vierte auf der rechten Seite. Zwischen zwei großen Häusern mit flachem Dach. Da trefft ihr Euch. Und jetzt geh lieber, ehe hier noch jemand Verdacht schöpft.“

„Oh ich danke dir“ maunzte Gaaja und leckte der Freundin zärtlich über die Ohren. „Ich danke Dir vielmals.“

„Jaja, geh schon“ schnurrte Minka verlegen. Gaaja suchte sich Ihren Weg zum Sofa und war in wenigen Sekunden zum Kellerfenster hinaus verschwunden.

Minka sah ihr ohrenzuckend nach.

„Wieviel hast Du gehört?“ Fragte sie schließlich in die Dunkelheit und ein schwarzer Schatten schloss zu ihr auf. „Genug“ erwiderte Max scharf. Minka seufzte tief und sagte dann: „Ich glaube ich bin dir eine Erklärung schuldig…“

 

***

 

Munteres Treiben herrschte in der Villa. Langsam versammelten sich die Katzen auf dem Dachboden. Es war Mitternacht. Der Sommer war fast um und die Tage wurden wieder kürzer. Die Stunden zwischen Sonnenuntergang und Mitternacht hatten die jungen Kater genutzt, um ein kleines Training durchzuführen. Cloud, Filou, Otis und Theos hatten sich in den vergangenen Wochen mit Hilfe von Findus und Charlie einen kleinen Trainingsplan erstellt. Zufrieden stellte Mikesh fest, dass sie mittlerweile über sich selbst hinausgewachsen waren. Die Jugendlichen hatten sich inzwischen zu ausgewachsenen Katern entwickelt, die man im Kampf besser nicht unterschätzen sollte.

Er hoffte, dass dies gegen die Großstadt-Meute genügte. Denn womit sie noch immer nicht aufwarten konnten, war die Erfahrung eines richtigen Kampfes. Sie würden für ihre Freiheit und ihre Territorien kämpfen. Ceasar durfte es unter keinen Umständen gelingen, die Kontrolle über die Vorstadt an sich zu reißen. Ebenso wenig waren die Vorstadtkatzen bereit auch nur ein Mitglied ihrer eingeschworenen Gemeinschaft an ihn abzutreten. Ein Glück, dass die jungen Kater ein Auge auf Gaaja geworfen hatten.

Das würde sie mehr anspornen alles zu geben. Denn für den kampferprobten Kater stand fest, dass er es auch auf sie und Leeja abgesehen hatte. Aber auch die anderen Vorstadtkatzen waren nicht untätig gewesen. Brutus trainierte hart mit Cassandra und Mikesh hatte gehört, dass Cassandra sogar am Tage unermüdlich trainierte. Bis zur Erschöpfung. Maja war deshalb an ihn und Brutus herangetreten.

Mikesh hatte sich daraus gehalten, denn Brutus hatte sie zu seinem offiziellen Schützling erklärt. Er kannte seinen Freund seit Kindertagen und wusste daher ganz genau, dass dieser einiges für die Kleine übrighatte. Obwohl sie mittlerweile gar nicht mehr so klein war. Doch nicht nur Cassandra und die jungen Kater hatten sich in den letzten Wochen verändert. Victoria war ebenso gewachsen. Sie war nicht so rebellisch wie ihre Schwester und eher zart besaitet. Daher übernahm sie immer mehr Verantwortung in der Kinderstube. Die Kätzchen von Ami wuchsen schnell heran. Sie waren Abenteuerlustig und aufgeweckt und schon bald würden auch sie keine Kinderstube mehr benötigen.

Sie würden ihre gewohnte Heimat bald verlassen müssen, denn die Dosenöffner würden nicht alle der 7 Katzen auf einmal zu Haus behalten wollen.  Alle hofften inständig, dass die drei in der Vorstadt bleiben konnten. Auch für Victoria hatten die Dosenöffner bereits ein anderes zu Hause gesucht. Doch zum Glück hatte sich am anderen Ende der Vorstadt eine alte Dame gefunden, welche gern die ruhige und zierliche Katze um sich haben wollte. Sie würde dann in einer Wohnung ohne Garten leben. Dennoch hofften ihre Freunde inständig, dass sie weiterhin Auslauf haben würde.

Das würde jedenfalls zur Erleichterung von Felix beitragen, dem sie offenbar sehr am Herzen lag. Wenn Victoria sich nicht mit um die Kleinen kümmerte, verbrachten die Beiden viel Zeit zusammen.

Auch das war Mikesh nicht verborgen geblieben. Er kannte sie alle ganz genau. Umso wichtiger war es für ihn, dass er das schützte, was sie alle hatten. Und ein wichtiger Schritt in diese Richtung war getan, denn Max, Minka und Dschingis hatten endlich das Versteck gefunden. Heute Abend würden sie allen ausführlich Bericht erstatten. Unruhiges schnattern und raunen in jeder Ecke des Dachbodens. Der getigerte Kater konnte ihnen ihre Aufregung nicht verübeln. Er war selber bis zur Schwanzspitze angespannt.

Seinen gewohnten Platz im Sessel hatte er für Jeronimus geräumt, der es sich auch diesmal nicht nehmen lassen wollte, die drei Abenteurer wieder willkommen zu heißen. Mikesh hatte es sich mit Bella an der Seite gemütlich gemacht und beschlossen, seinem alten Mentor, nach einer kurzen Einleitung, das Reden zu überlassen.

Endlich war es soweit. Max und Minka waren in der Villa angekommen nahmen ihre Plätze am Fuße des Sessels ein. Dschingis suchte sich einen Platz neben seinem getigerten Freund. Dann erhob sich Mikesh und richtete als Erster das Wort an die Katzen, nachdem er sich geräuspert und so für Ruhe gesorgt hatte.

„Freut mich, dass wir jetzt vollzählig sind…“ eröffnete er nun die Versammlung und es wurde ganz still im Raum. Er verlor nur wenige Worte über die Dauer und die Gefährlichkeit der Mission, dann übergab er Jeronimus, der die Katzen seinerseits begrüßte.

„Meine lieben Freunde, wir sind unendlich froh und dankbar, dass ihr unversehrt wieder in unsere Mitte zurückgekehrt seid. Zunächst einmal möchte ich Euch noch einmal meinen ganz persönlichen Dank aussprechen, dass ihr euch, zum Wohl aller hier,“ er blickte in die Runde und sah jeder einzelnen Katze direkt in die Augen, „in diese Gefahr gebracht habt. Glaubt mir, wenn ich Euch sage, diese Tat wird noch lange in aller Munde sein. Nun möchte ich Euch aber nicht länger mit dem Gefasel eines alten Katers langweilen. Bitte, erzählt uns doch, was Ihr auf eurer Reise alles erlebt und welche Erkenntnisse ihr gewonnen habt!“

Dann begannen Max und Minka den Versammelten ausführlich Bericht zu erstatten. Gelegentlich unterbrach Dschingis sie, wenn er der Meinung war, dass sie zu weit vom Thema abkamen. Doch im Wesentlichen gehörte dieser Moment nur den beiden gestreiften Katzen.

Mikesh schnurrte vergnügt, als er ihnen zuhörte. Sie erzählten so munter und aufgeregt und alle Katzen starten sie gebannt an. Er war froh, dass die beiden endlich ihren Platz in der Gemeinschaft gefunden hatten.

Doch er war nicht der einzige, der dem Katzengespann wohlwollend zuhörte. Ebenso hörten Ami, Maja, Gaaja und Leeja fasziniert zu. Grade Ami und Maja hatten nie einen Hehl daraus gemacht, dass sie die beiden nicht mochten. Doch nun mussten sie einsehen, dass sie alles taten, was in ihrer Macht stand, um zum Sieg der Vorstadtkatzen beizutragen.

Auch wenn sie es nicht gern zugaben, waren sie doch beeindruckt von dem Mut, den die beiden bewiesen hatten. Leeja kauerte neben ihrer Freundin und bewegte sich keinen Millimeter, hielt die Augen nur starr auf Max und Minka gerichtet. Nur das gelegentliche nervöse Zucken ihrer Schwanzspitze verriet ihre Anspannung.

Gaaja hatten wie so oft den buschigen Schwanz sorgfältig um die Vorderpfoten gelegt, saß aufrecht und hörte augenscheinlich gebannt zu. Doch in ihren Augen spiegelten sich die verschiedensten Emotionen wieder. In ihrem Inneren tobte ein Kampf.

Die Mission von Max und Minka war extrem gefährlich gewesen. Und als ob die Aufgabe, die sie in der großen Stadt zu erfüllen hatten, noch nicht schwierig genug gewesen ist, hatte sie Minka auch noch die folgenschwere Aufgabe übertragen, nach ihrer alten Freundin Blue zu suchen. Was ein noch viel größeres Risiko darstellte, als die eigentliche Mission. Sie fühlte sich schrecklich, dass sie ihre Freundin – denn als solche empfand sie Minka mittlerweile – bewusst solchen Gefahren ausgesetzt hatte. Und gleichzeitig unendlich dankbar, dass sie die Aufgabe nicht nur erledigt hatte, sondern sogar erfolgreich gewesen war.

Über all diese Emotionen in ihrem Inneren mischte sich auch Vorfreude, denn sie würden sich schon in der nächsten Nacht wiedersehen. Der Gedanke daran machte sie aber auch ein wenig nervös. Sie bemühte sich ihre Emotionen unter Kontrolle zu behalten und legte langsam das Fell an, dass sich in der Zwischenzeit aufgestellt hatte. Sie hoffte, dass es keiner bemerkt hatte oder wenn, dass man es als Aufregung auf Grund des Berichtes von Max und Minka abtun würde.

Doch mit einem Mal fühlte sie sich beobachtet. Dieses Gefühl jagte ihr erneut einen Schauer über den Rücken. Langsam sah sie sich um und traf auf zwei leuchtend gelbe Augen, die sich in die Ihren bohrten. Buster lag ausgestreckt an seinem gewohnten Platz am anderen Ende des Dachbodens. Den Kopf hatte er auf seine Vorderpfoten abgelegt. Er fixierte sie geradezu mit seinem Blick und als er merkte, dass sie ihn erwiderte, hob er alarmiert den Kopf. Doch er sah nicht weg. Gaaja hatte das Gefühl als würde er in ihren Augen lesen und als würde er jede Emotion herausfiltern. Er nickte langsam. Wusste er etwas? Erschrocken wandte sie den Blick ab und versuchte sich auf Max und Minka zu konzentrieren.

„Wir müssen jetzt noch vorsichtiger sein“ miaute Mikesh über das leise Miauen der umhersitzenden hinweg, dass sich erhoben hatte, nachdem Max und Minka geendet hatten.

„Zwar sind Dschingis, Max und Minka rechtzeitig aus der Stadt gekommen, ehe man sie hätte erwischen können, doch Ceasar ist jetzt gewarnt. Und er weiß, dass wir uns zur Wehr setzen werden. Er ist nicht so dumm, uns zu unterschätzen. Und wir dürfen das auch nicht tun. Haltet euch bereit und trefft eure Vorkehrungen. Immer in der Gewissheit, dass der große Kampf unmittelbar bevorsteht!“

 

… weiter mit Kapitel 15

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s