15. Kapitel – Vorstadtkatzen

Sie hatte es geschafft. Sie wusste nicht genau, wie es ihr gelungen war, sich unbemerkt von Leeja aus dem Haus zu schleichen. Aber sie war so voller Vorfreude auf das Treffen, dass ihr heute Nacht bevorstand, dass sie sich darüber im Moment keine weiteren Gedanken machte. Als Sie die letzten Häuser der Vorstadt erreicht hatte, blickte sie sich noch einmal um. Sie würde nicht lange fort sein. Wenn alles nach Plan verliefe, wäre sie noch vor Sonnenaufgang wieder zurück. Ihr Verschwinden beim Training würde allerdings sicher auffallen. Aber wenn sie erst mit Blue geredet hatte und sie überzeugen konnte mit ihr zu kommen, dann würde schon alles gut werden. Sie war sicher, dass die anderen ihre Vorgehensweise verstehen würden. Das hoffte sie zumindest. Aber vorerst war sie den Diskussionen entgangen, die unweigerlich die Folge gewesen wären, wenn sie ihre Absichten mit Leeja und den Anderen geteilt hätte. Ein leises seufzen entfuhr ihr, als sie sich wieder umdrehte und lautlos im Schutz der Nacht aus der Vorstadt verschwand.

Sie lief am Straßenrand im Schutze der Sträucher den Weg zur Großstadt entlang. Dabei vermied sie es geschickt, zu weit vom Wegesrand abzukommen, damit sie sich nicht durch ihre eigene Unachtsamkeit im angrenzenden Graben wiederfand. Doch plötzlich wurde Sie durch eine ihr bekannte Stimme gebremst.

„Nanu, Nana meine Schöne. So weit entfernt von zu Haus? Du hast Dich wohl verlaufen?“

„Ganz und gar nicht“ gab sie zurück und hoffte sie klang dabei selbstsicherer, als sie wirklich war. Buster sprang von der dicken Eiche hinunter, die sich neben der Straße befand, überwand mit wenigen Sätzen den Graben und landete sicher vor ihr. Seine goldgelben Augen glühten geradezu in der Dunkelheit.

„So, also was machst Du dann hier?“ fragte der große Kater nun neugierig.

„Das geht dich nichts an“ gab sie spitz zurück, umrundete ihn und ging dann ihren Weg weiter, wobei ihr peitschender Schwanz ihren aufgewühlten Gemütszustand verriet.

„Verstehe“ murmelte Buster und seine Augen sahen ihr funkelt hinterher, ehe sein Temperament mit ihm durchging und er seine Stimme erhob.

„Ich wusste, dass Du irgendwann wieder zu ihm gehen würdest!“

Stocksteif hielt Gaaja mitten in der Bewegung inne und drehte sich dann blitzschnell zu Buster um, der sich mit gesträubten Fell und einem wütenden Funkeln in den Augen, vor ihr aufbaute.

„Wie bitte?“ Brachte sie keuchend hervor.

„Ich habe also recht.“ Murmelte Buster, der ihre Reaktion offensichtlich missverstand. Er schnaubte wütend.

„Ich hätte wirklich mehr von Dir erwartet…“ Jetzt war es an Gaaja ihn wütend anzufahren.

„Ich habe keine Ahnung wovon Du überhaupt sprichst!“ „Davon, dass Du ganz offensichtlich die Seiten wechselst. Was für einen Grund könntest Du sonst haben dich mitten in der Nacht davon zu stehlen?“ Die Wut in ihrem Bauch machte blanker Entrüstung Platz. Ihre Antwort war nur ein heiseres Fauchen.

„Wie kannst Du nur so etwas von mir denken? Ich würde nie…“

„Als sein Lieblingsweibchen hattest Du bestimmt eine Menge Einfluss und erst recht Respekt“ Unterbrach er sie. „Ich kann es Dir nicht verübeln, dass Du wieder zurückwillst. Aber was ich Dir verüble ist der Verrat, den Du damit an uns allen begehst“ seine letzten Worte gingen in ein wütendes Fauchen über.

„Uns zu diesem Zeitpunkt zu verlassen. Nachdem alle so viel getan haben für unser zu Hause. Nachdem was Leeja und die anderen für Dich empfinden.“ Er zischte den letzten Satz und Gaaja hatte das Gefühl, dass er am liebsten noch mehr gesagt hätte, doch er hüllte sich in wütendes Schweigen. Könnte es sein, dass er mit „den anderen“ auch oder vor allem sich gemeint hat?

Sie hatte ihn selten so wütend erlebt, da er normalerweise die Coolness in Person war. Aber nur wenige Sekunden hielt ihre Verwunderung an. Dann wurde ihr klar, was er ihr Vorwarf und mit einem wilden Fauchen brach sich die Wut in ihr Bahn.

„Was erlaubst Du dir? Du hast ja keine Ahnung, was ich alles durchmachen musste. Was er mir angetan hat. Einfluss? Wohl kaum. Respekt? Vielleicht. Aber der Preis, den ich dafür zahlen musste war hoch. Und ich bin ganz bestimmt nicht bereit so einen Preis noch einmal zu bezahlen.“

„Ach nein?“ setzte Buster nach. „Woher sollen wir wissen, dass Du uns nicht verrätst? Schleichst dich heimlich in der Nacht davon, als ob Du etwas zu verbergen hättest…“

„… ich bin eine Katze und schleiche eben…“ unterbrach sie ihn genervt, doch er fuhr ungerührt fort.

„… erzählst niemandem ein Sterbens Wörtchen. Nicht einmal Leeja. Das Du uns verraten willst ist schon schlimm genug. Aber Leeja? Sie, die wie eine Schwester für Dich war. Sie, die deine dunkle Vergangenheit mit Dir teilt! Das enttäuscht mich wirklich.“

Die letzten Worte spuckte er ihr vor die Pfoten. Ihre Wut, die in Zorn umschlug und sich mit der Enttäuschung ob dieser Anschuldigungen vermischte, vernebelte ihr die Sicht.

Mit erstickter Stimme brachte sie hervor: „Wie kannst Du es wagen? Wie kannst Du glauben mich und meine Absichten zu kennen? Du weißt fast nichts über mich und bist vermutlich der letzte Kater hier, der sich ein Urteil über mich erlauben darf.“

Abrupt machte sie auf dem Absatz kehrt und rannte durch die Nacht, den ganzen Weg, bis zur Stadt. Tausend Gedanken kreisten in ihrem Kopf. Sie war lange nicht mehr so aufgewühlt wie in diesem Moment. Die Angst vor Ceasars Rückkehr, die Angst um die geliebte Freundin Blue, das schlechte Gewissen gegenüber Minka, weil sie sie für ihre Zwecke in Gefahr gebracht hatte aber auch das schlechte Gewissen gegenüber den anderen und insbesondere gegenüber Leeja, der sie nichts hatte erzählen können. All diese Emotionen traten plötzlich zurück.

Die Enttäuschung und der Schmerz den Busters harte Worte in ihr ausgelöst hatten, war viel schlimmer als all das andere. Sie könnte sie alle niemals verraten. Wie kam er nur auf solche Anschuldigungen. Und warum war er so verletzt? Sie konnte es eindeutig in seinen Augen sehen.

Neben Wut hatte sie im fahlen Schein des Mondlichts noch eine andere Emotion in Ihnen lesen können. Es war mehr als reine Enttäuschung. Er hatte verletzt gewirkt. Beinahe gekränkt. Und das auf einer persönlichen Ebene. Es ging ihm nicht darum, dass sie die anderen verriet. Für ihn war es etwas Persönliches.

Trotz aller Kabbeleien hatten sie sich im Grunde immer gut verstanden. Sie wusste, dass sie auf ihn zählen konnte, egal was war. Aber dennoch gab es eine Menge Katzen und Kater, die ihr näherstanden. Und vor allem hatte er, im Gegensatz zu zahlreichen anderen Katern in der Nachbarschaft, wie Filou und Cloud, aber auch wie ältere Kater, wie zum Beispiel Findus, nie wirklich versucht ihr den Hof zu machen oder ihre Nähe zu suchen. Nicht auf die Art. Sie waren selten allein und wenn, dann ärgerte er sie oder brachte ihr ein paar Tricks bei, wobei er sich allerdings wie ein Oberlehrer aufführte, was ihm ihrerseits wieder ein paar spitze Kommentare einbrachte.

Sie hatte nicht gewusst, dass ihm ihre Freundschaft so naheging.

Als sie die Stadt erreichte, blieb sie einige Momente lang stehen um neue Kraft zu tanken. Entschlossen schüttelte sie die Gedanken ab und konzentrierte sich auf die Dinge, die nun vor ihr liegen würden.

Es dauerte nicht lange, bis sie die Gasse fand, die Minka ihr beschrieben hatte. Vorsichtig lugte sie um die Ecke, als ihr auch schon ein vertrauter Geruch in die Nase stieg. ‚Blue‘ dachte sie aufgeregt und setzte langsam einen Fuß in die Gasse. Am Ende sah sie eine Katzengestalt, die seelenruhig dasaß und wartete.

„Blue?“ wisperte sie vorsichtig. Die Katze, die sie nur als Schatten war nahm, weil sie im Dunkeln hockte, stand auf und lief langsam in die Mitte der Gasse, wo ihr geschecktes Fell leicht vom Mondlicht angestrahlt wurde und ihre eisblauen Augen im selbigen wie Saphire strahlten.

„Blue“ rief Gaaja nun etwas lauter und Freude machte sich in ihr breit. Mit freundlich aufgestelltem Schwanz lief Sie auf ihre Freundin zu und hätte sie am liebsten laut schnurrend mit der Wange berührt und ihr die Ohren mit der Zunge geputzt. Doch irgendetwas ließ sie langsamer werden und schließlich vor der Freundin stehen bleiben. Irgendwas war anders. Blue bewegte sich keinen Millimeter. Sie hatte sich wieder aufrecht hingesetzt und sah ihre Freundin stumm aus ihren blauen Augen an, die keine Gefühlsregung zeigten.

„Blue“ flüsterte Gaaja erneut. „Ich bin‘s. Gaaja…“

„… ich weiß wer du bist“ unterbrach Blue sie mit ruhiger Stimme.

„Blue, ich habe so viel an Dich gedacht. Es vergeht kein Tag an dem ich nicht an Dich denke und ich musste Dich unbedingt sehen und wissen wie es Dir geht…“

Blue ließ ein leises schnauben vernehmen.

„Ich denke auch jeden Tag an dich“ gab sie dann zu.

„Ich denke jeden Tag an die Katze, die mir ewige Freundschaft versprochen und mich dann einfach im Stich gelassen hat!“

Diese Worte, völlig ruhig und emotionslos ausgesprochen, trafen Gaaja wie ein Tritt in den Magen. Es war, als bliebe ihr die Luft weg und keuchend brachte sie hervor: „Ich? Dich im Stich gelassen? Blue, ich wollte, dass Du mit mir kommst. Aber Du wolltest nicht…“

„Ich konnte nicht“ fiel die Freundin ihr ins Wort und das Zucken ihres Schwanzes verriet ihre Anspannung.

„Aber…“

„Ich war trächtig“ fuhr Blue fort und in ihren Augen trat ein unheilvolles Funkeln. Abermals blieb Gaaja die Puste weg. „Aber… aber wieso hast du mir das nicht gesagt?“

„Hätte das denn was an deinem Entschluss geändert?“

„Wir hätten Zeit schinden können oder dich nachholen oder…“

Blue unterbrach sie mit einem abfälligen Schnauben.

„Ich und meine Kinder brauchten den Schutz eines starken Clans. Du konntest nicht wissen, ob Du eine sichere Zukunft haben würdest. Ich konnte nicht riskieren meinen Kindern zu schaden und gut in Form war ich auch längst nicht mehr.“

Sie atmete tief durch. Ihr Fell legte sich wieder an, ihr Schwanz lag regungslos um ihre Pfoten und ihr Blick wurde wieder klar und emotionslos.

„Wie auch immer“ schnurrte sie.

„Wo wir uns heute schon mal treffen, möchte ich Dir gern jemanden vorstellen.“ Gaaja, die betreten auf ihre Pfoten gestarrt hatte hob interessiert den Kopf und zuckte nervös mit den Ohren. Bei ihren nächsten Worten zeichnete sich ein leichtes Grinsen in Blues Gesicht ab.

„Dies ist mein Sohn. Achilles oder auch Achi genannt.“

Ein Schatten trat aus der Dunkelheit und obwohl er neben seine Mutter trat, schien der helle Mond ihn nicht zu erreichen. Der Kater war mindestens einen Kopf größer als Blue. Sein Fell war deutlich länger und Schwarz wie die Nacht. Seine Pranken fast schon riesig. Nur die hellen, blauen Augen, die Gaaja kalt musterten und im Mondlicht gefährlich schimmerten, schien er von seiner Mutter geerbt zu haben.

Unwillkürlich wich Gaaja einige Schritte zurück. Dieser Anblick flößte ihr Respekt ein. Nur mühsam gelang es ihr, ihre Fassung wieder zu erlangen.

„Das… das ist dein Sohn?“ Flüsterte sie.

„Ja, der einzig überlebende aus meinem Wurf von damals.“ Gaaja blinzelte und wandte sich wieder ihrer Freundin zu. „Was? Wieso?“ Gaaja erschauderte während die einstige Freundin mit den Augen rollte.

„Wieso? Kannst Du dir nicht denken, was ich für einen Stress gehabt habe wegen Dir?“

„Blue… ich … das tut mir so leid…“

„Pah!“ Unterbrach sie schroff. „Leid tut es Dir. Das kommt etwas spät, findest Du nicht? Weißt Du eigentlich, was ich durchgemacht habe, nachdem Du und diese andere Katze ausgebüxt seit? Es ist allein Eure Schuld, dass ich meine anderen beiden Kinder tot zur Welt gebracht habe und dabei fast selbst zu Grunde gegangen wäre.“

Plötzlich wurde ihr Blick sanfter und sie sah traurig auf ihre Pfoten.

„Ceasar er… war so wütend…“

„Dann komm mit mir“ brach es aus Gaaja hervor.

„Komm mit und ich bringe Dich und deinen Sohn in Sicherheit. Weit weg von hier!“ Sie hielt irritiert inne, als sie ein leises Lachen von Achilles vernahm.

„Sie ist ganz schön naiv, Mutter.“ Blue seufzte nur theatralisch, ehe sie sich wieder an Gaaja wandte.

„Glaubst Du wirklich ich bin so dumm, denselben Fehler noch einmal zu machen?“ Gaaja kniff verständnislos die Augen zusammen und ihre Nackenhaare stellten sich auf. „Glaubst Du wirklich er weiß nichts, von unserem kleinen Treffen?“ Fuhr Blue fort. „Ich gehe nirgendwohin. Das hier ist meine Familie. Achilles und Ceasar ebenso wie Gus, Lucy und Spike und all die anderen. Ich kenne sie ewig und sie kennen mich. Ich vertraue ihnen blind und sie mir. Ich würde ihr Vertrauen nie missbrauchen. Denn ein Clan zu sein, dass schmiedet zusammen. Wir funktionieren als eine Einheit. Aber davon wirst Du nie etwas verstehen.“ Während sie sprach füllte sich die Gasse plötzlich mit Straßenkatzen. Sie standen auf den Fenstersimsen, kletterten auf die Seile, die die Dosenöffner zwischen den Häusern gespannt hatten und sie benutzten um ihre Kleidungsstücke daran aufzuhängen.

Sie traten aus dem Schatten der Häuser, kamen über den Zaun am Ende der Gasse, guckten aus den Müllcontainern hervor und krochen aus den Kellerfenstern der Häuser in die Gasse. Unbeirrt und unbeeindruckt sprach Blue weiter, währen Gaaja sich nervös umsah, das Fell aufstellte und entsetzt die Augen aufriss.

„Nein, mein Zuhause ist hier, bei meiner Familie und ich lasse nicht zu, dass Du und die Horde von Hauskätzchen mir jetzt alles kaputt machst!“

„Aber Blue“ fauchte Gaaja. „Wir haben nicht vor Euch etwas kaputt zu machen. Wir wollen nur Schützen was uns lieb ist. Unsere Freunde, Familien und unser Territorium.“

Jetzt war es Blue, die ein abfälliges kichern hören lies.

„Euer Territorium? Ich finde verweichlichte Hauskatzen wie ihr sollten nicht einmal ein Territorium ihr Eigen nennen dürfen.“ Ihre amüsierte Stimme veränderte sich und war schließlich nur noch ein bedrohlich leises fauchen. „Wir brauchen eben Platz für unsere Familie und unsere Nachkommen. Und ihr seid uns da im Weg.“ Entsetzt wich Gaaja einige Schritte zurück, ehe sie auf den Absatz kehrt machte nur um festzustellen, dass ihr der Ausgang zur Gasse längst durch Straßenkatzen versperrt wurde. Wütend drehte sie sich wieder zu Blue um.

„Und du glaubst wirklich, dass hier macht es besser? Es wird nur schlimmer, immer schlimmer… wenn ihr mir etwas tut, werden sich die Vorstadtkatzen rächen wollen. Sie werden zu Euch kommen und Euch die Hölle heiß machen…“ Jetzt war es Achilles der laut und böse auflachte. Blue rollte nur mit den Augen und sagte: „Wer sagt, dass wir dir was antun wollen? Du wirst uns begleiten. Das ist alles. Vorerst.“

„Dann werden sie mich holen“ brachte Gaaja trotzig hervor, als plötzlich und ohne Vorwarnung Achilles auf sie zu schnellte und grollte: „Genau das sollen sie ja!“

Gaaja legte die Ohren an, kniff den Schwanz ein, duckte sich und wich zurück. Der schwarze Kater baute sich vor ihr auf und lachte bösartig auf sie herunter. Seine blauen Augen hatten sich zu schlitzen verengt und seine scharfen Krallen an den großen Pranken kratzten bedrohlich über den Asphalt.

„Sie werden ihr hübsches Prinzesschen schließlich unversehrt wiederhaben wollen. Nur, dass ihnen das nicht gelingen wird…“ knurrte er leise. Gaaja machte einen Satz zurück, baute sich kampfbereit auf, machte einen Buckel und sich damit so groß, wie sie nur konnte. Doch der Kater lachte nur.

„Oh ja, sie werden kommen. Und dann ist dieser Kampf ganz schnell entschieden…“ bedrohlich machte er ein paar weitere Schritte auf Gaaja zu. Kampfbereit fauchend blickte sie Achilles in die eisigen Augen und ein Schauer durchlief ihren Körper.

Während sich die Kontrahenten langsam umkreisten begann sie, ihren Angreifer abzuschätzen. Sie hatte gehofft ihn einschüchtern zu können oder zumindest auf Abstand zu halten. Aber im Inneren hatte sie gleich gewusst, dass dies nur ein Strohhalm war. Allein durch seine Körpergröße und durch seinen Körperbau, war er ihr um ein Vielfaches überlegen. Doch wenn er wirklich Ceasars Sohn war, und da ging sie inzwischen fest von aus, dann würde er mit Sicherheit ein hartes Training durchlaufen haben.

Einen Kampf mit ihm würde sie also nicht gewinnen können. Dann blieb ihr nur eine Möglichkeit: Die Flucht. Aber wohin? Sie war umzingelt von mordlüsternen Straßenkatzen, die ihr zwar nicht wirklich was ernstes antun würden, aber dennoch verhindern konnten, dass sie sich zurückzog. Sie blieb stehen. Jetzt stand sie mit dem Rücken zu Blue, während Achilles ihr den Ausgang versperrt hatte. Davor hockten einige Straßenkatzen, aber mit denen würde sie vielleicht klarkommen. Also war das Einzige, was ihr jetzt blieb, ein geschicktes Täuschungsmanöver. Die Augen starr auf Ceasar Sohn gerichtet, senkte sie ihren Oberkörper dicht an den Boden, zog ihre Hinterläufe sprungbereit unter ihren Körper und preschte los. Als der schwarze Kater sie direkt auf sich zuschießen sah, huschte ein berechnendes Grinsen über sein Gesicht und in seinen Augen blitzte es amüsiert. Statt ihrem Angriff aus zu weichen, machte er sich bereit ihr zu trotzen und erhob die rechte Pranke, um sie mit einem gezielten Hieb aus dem Gleichgewicht zu bringen, noch ehe sie ihn ganz erreicht hatte.

Aber mit einer Wendigkeit, die er ihr auf Grund ihres dicken Fells gar nicht zugetraut hätte, ließ sie sich mitten im Laufen auf die linke Seite fallen, rollte sich unter seiner Pranke durch, sprang auf und stürmte auf den Ausgang der Gasse zu. Achilles, dessen Tatze ins leere schlug, drehte sich blitzschnell um, reagierte aber nicht, als er sah wie Gaaja mit ausgefahrenen Krallen auf die Straßenkatzen zustürmte.

„Mal sehen, wie weit Du kommst!“ Rief er ihr zu und schnurrte amüsiert.

Der Kampfgeist beeindruckte ihn, wie er sich selbst eingestehen musste. Ungebremst raste die rotweiße Katze in die Straßenkatzen hinein, verteilte Hiebe nach allen Seiten, biss wild um sich und versuchte den Tatzen zu entkommen, die sich an ihrem Fell festkrallten. Dabei kam sie nicht schnell genug voran. Während Sie verbissen versuchte sich freizukämpfen um auf die Straße am anderen Ende der Gasse hinaus zu taumeln, ging Blues Sohn langsam in Ihre Richtung. Seine Mutter war mittlerweile ebenso aufgesprungen und schlich hinter ihrem Sohn her. Mit Ausdrucksloser Miene beobachtete sie Gaajas Kampf. Schließlich gab Achilles den anderen Katzen ein Zeichen. Ihre Gegenwehr erlahmte und es gelang Gaaja endlich, sich durch zu kämpfen. Atemlos erreichte sie die Straße, doch sie war nicht schnell genug. Der große, schwarze Kater machte ein paar Sätze und sprang ihr dann mit Wucht auf den Rücken. Die Wucht seines Angriffs und sein Körpergewicht drückten Gaaja schmerzhaft auf den grauen Asphalt. Sie war nicht in der Lage sich zu bewegen, dennoch versuchte sie fauchend und knurrend ihn abzuschütteln, bis er seinen Kopf senkte und ihr leise ins Ohr flüsterte.

„Ich bewundere deinen Kampfgeist, Hauskätzchen. Aber jetzt und hier ist es vorbei.“

Doch Aufgeben kam für Gaaja nicht in Frage. Sie würde Kämpfen, was auch immer es kosten möge. Sie hörte das Blut in Ihren Ohren rauschen und nahm bald nichts Anderes wahr, als ihren Kampfeswillen. Mit einem wütenden Aufschrei stemmte sie ihre Pfoten in den Boden und versuchte sich trotz des Gewichtes auf ihrem Körper zu erheben, als mit einem Mal, dass Gewicht von ihr genommen wurde. Dann hörte sie das wütende Fauchen.

 

… weiter mit Kapitel 16

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