Prolog – Schattenmond

Donnergrollen zog über die Lichtung. Die Blitze erhellten für kurze Zeit den sonst düsteren Nachthimmel, der durch seine dunklen Regenwolken nicht einmal das Licht der Sterne durchscheinen ließ. So unruhig es über dem Himmel zuckte, so unruhig war es auch auf der Lichtung. Die Bäume, stetig gepeitscht vom ständig niederprasselndem Regen, wogen sich unheilverheißend im Sturm. Schattenmond rannte im Schutze der Bäume an der Lichtung vorbei. Die Panik hatte ihn fest im Griff. Das fürchterliche Knallen der Gewähre und das aufblitzen des Mündungsfeuers, dazu das panische Jaulen seiner Eltern und Geschwister … Wie gerne würde er Ihnen helfen. Aber er konnte im Moment kaum sich selber helfen. Hastig suchte er sich einen Ausweg. Nur weg von der Gefahr. Weg von den haarlosen Zweibeinern und fort von ihren teuflischen Waffen.

„Schattenmond“, klingt der panische Ruf seiner Schwester an sein Ohr. Kurz darauf witterte er sie. Sie lief in einem großen Abstand parallel zu ihm, befand sich aber tiefer im Wald. „Gleich kommt die Gabelung beim Fluss“ japst Mondblüte. „Wir laufen durch. Dann können Sie uns vielleicht nicht mehr wittern oder unsere Spuren sehen. Dann laufen wir in Richtung der Bergketten. Bist du dabei?“ „Ja,“ gab Schattenmond zurück. Kurze Zeit später sprang Mondblüte aus einem Gebüsch heraus und landete neben ihm. Die große Schwester trieb ihn weiter an. Schattenmond hatte das Gefühl so viel zu rennen, wie noch nie zuvor in seinem jungen Wolfsleben. Er konnte nur hoffen, dass er allein durch sein tief schwarzes Fell in der stürmischen Nacht nicht leicht zu sehen war. Seine Schwester hingegen hatte es da deutlich schwerer.

Mit ihrem hellen, fast schon weißen Fell war sie besonders in der Nacht gut zu sehen.  Doch das Unwetter und die Tatsache, dass Mond und Sterne von dicken Wolken verdeckt wurden, sprach für die beiden Wölfe und gab Ihnen Anlass zur Hoffnung.  Bald kam das Flussbett in Sicht. Es war Kältezeit und obwohl es noch viele Monde dauern würde bis der erste Schnee fiel, waren die Temperaturen deutlich abgekühlt. Es würde seine erste Kältezeit sein, die er erlebte. Und schon jetzt dachte er mit Wehmut an die Wärmezeit zurück, in der er in lauen Nächten mit seinen Geschwistern zum Mond gesehen und ihn besungen hatte. In dieser Zeit plätscherte der Fluss mit seinem kleinen Rinnsal ruhig vor sich hin. Doch jetzt schien es Schattenmond, als würde der Fluss nach ihm greifen, als er mit einem Satz ins eiskalte Wasser sprang. Sein dickes Fell schützte ihn, aber die Fluten rissen stetig an ihm und verssuchten, ihn zu Fall zu bringen. Das rettende Ufer schien in Sicht, doch Schattenmond verlor plötzlich den Halt unter den Pfoten. Keinen Sand, keine Steine, nur die Wellen die versuchten ihn mit sich zu reißen. Verzweifelt kämpfte er gegen sie an. Versuchte gegen den Srom zu schwimmen. Aber er hatte nicht mehr viele Kraftreserven und die Übermacht des Flusses kannte kein Erbarmen. Mit den Vorderpfoten bekam er zwar die Uferböschung zu fassen, rutschte aber jedes Mal am nassen Moos ab. Plötzlich spürte er Zähne, die ihn fest im Nackenfell packten und ihn näher ans Ufer zogen. Endlich bekam er eine Wurzel mit seinen Krallen zu fassen. Mit einem großen Kraftaufwand gelang es ihm, sich ans Ufer zu ziehen. Schließlich fanden seine Hinterläufe wieder halt und er konnte sich langsam an Land schleppen. Mondblüte ließ sein Nackenfell los und tänzelte nervös auf Ihren langen Beinen. „Los, los, wir müssen weiter.“ Knurrend knuffte sie dem Jüngeren in den Hinterlauf. Schattenmond sprang auf und setzte neben seiner Schwester wieder zum Sprint an. „Was ist mit den Anderen?“ japste er. Doch es kam keine Antwort.

 

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